Politik

Hinterhalt in Nord-Syrien Rebellen sprengen 40 Soldaten in die Luft

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Bei der Explosion wurden Tonnen von Erdreich und Gebäudeteilen vielleicht huntert Meter hoch in die Luft gejagt.

(Foto: REUTERS)

Ein Internet-Video zeigt in drastischen Bilden den ganz normalen Wahnsinn im syrischen Bürgerkrieg. Während Regierungssoldaten einen unterirdischen Tunnel durchqueren, warten Rebellen im Hinterhalt, um per Knopfdruck versteckte Sprengsätze zu zünden.

Eine kleine Ansammlung von sandfarbenen Gebäuden liegt auf einem Hügel, drumherum wachsen Bäume, die Vögel zwitschern. Die Gemäuer des kleinen Militärstützpunktes in Maarat al-Numan in Nordsyrien sind schon etwas von Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden, doch alles scheint ruhig. Bis die Erde rumpelt und urplötzlich eine riesige Fontäne aus Erdreich aus ebendieser Gebäudeansammlung in die Luft schießt. Die Erde fliegt vielleicht hundert Meter hoch.

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Ein Video zeigt diese gewaltige Explosion, die einen Anschlag von syrischen Rebellen auf die Regierungstruppen des Regimes von Baschar al-Assad dokumentiert. Während die Erde langsam wieder zu Boden geht, erhebt sich lautes Geschrei. Männerstimmen rufen immer wieder: "Allahu akbar, Allahu akbar!" - Gott ist groß.

Was man bei den Aufnahmen zum Glück nicht sieht: Mitsamt den vielen Tonnen Erdreich fliegen auch rund 40 Regierungssoldaten in die Luft. Diese Zahl nennt die oppositionelle syrische Muslimbruderschaft. Die Explosion lässt vermutlich nicht viel von den Männern übrig. Islamistische Rebellen haben sie in den tödlichen Hinterhalt gelockt. Die Soldaten befinden sich in einem 200 Meter langen Tunnel, der unterhalb des Militärstützpunktes verläuft, als die Sprengsätze explodieren. Er verbindet eine Straße mit einem Checkpoint.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter spricht von rund 30 Toten. Guerilla-Attacken wie diese sind zwar Alltag im syrischen Bürgerkrieg, doch die Dimension des Anschlags mit einer solchen Explosion ist selbst für syrische Verhältnisse ungewöhnlich.

Gemäßigtes Oppositionsbündnis von USA aufgewertet

Die Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad sind nach wie vor in viele Gruppen zersplittert, die sich zum Teil gegenseitig bekämpfen. Die USA werteten am Montag die vom Westen als offizielle Opposition anerkannte Syrische Nationale Koalition diplomatisch auf. Das von Ahmad al-Dscharba angeführte Bündnis wird nun zu den "ausländischen diplomatischen Missionen" gezählt. Dscharba hatte bereits bei den ergebnislosen Friedensverhandlungen in Genf die syrische Opposition vertreten und wird nun zu einem Besuch in Washington erwartet.

Die Aufwertung ist aber weitgehend symbolisch. Die Mitarbeiter der Vertretungen in Washington und New York genießen dadurch keine diplomatische Immunität. Washington sehe die Syrische Nationale Koalition nicht als "Regierung von Syrien", stellte eine Sprecherin des US-Außenministeriums klar.

Der militärische Arm der Syrischen Nationalen Koalition ist die Freie Syrische Armee. Für deren Kampf sowohl gegen die Assad-Truppen als auch gegen die islamistischen Rebellengruppen wird sie vom Westen unterstützt - allerdings hauptsächlich mit sogenannter "nicht tödlicher" Militärhilfe wie Funkgeräten, Nachtsichtgeräten, Medikamenten und Verpflegung. Die USA wollen die Mittel hierfür um 27 Millionen Dollar auf 287 Millionen Dollar aufstocken. Oppositionsführer Dscharba will Washington nach eigenen Angaben bei seinem Besuch nun auch um Waffenlieferungen bitten.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/AFP

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