Politik
Dienstag, 12. August 2003

Kämpfe in Liberia: Rebellen stimmen Abzug zu

Einen Tag nach dem Rücktritt des liberianischen Präsidenten Charles Taylor haben die Rebellen dem Abzug ihrer Belagerungstruppen aus der Hauptstadt Monrovia zugestimmt. Sie unterzeichneten am Dienstag eine entsprechende Erklärung.

Danach muss die Rebellengruppe LURD bis spätestens Donnerstag den Hafen Monrovias und die umliegenden Stadtteile verlassen und der westafrikanischen Friedenstruppe übergeben.

Bedingung dafür ist aber, dass die Friedenstruppe zuvor in der ganzen Stadt Stellung bezieht. Bislang hat die Truppe, die noch keine 1.000 Mann zählt, ihre Basis am Flughafen nur gelegentlich verlassen.

Die Rebellen haben mehrfach erklärt, der Hafen dürfe nicht wieder in die Hände der Regierungstruppen fallen. Die Besetzung des Hafens, wo Lebensmittelvorräte und andere Hilfsmittel lagern, führte im seit Wochen belagerten Monrovia zu einer Hungersnot.

Bereits am Vormittag hatte ein ranghoher Rebellenführer den Krieg für beendet erklärt. Der selbst ernannte Führer der Rebellenbewegung Vereinte Liberianer für Versöhnung und Demokratie (LURD), Sekou Conneh, versprach, er werde seine Kämpfer anweisen, alle Kriegshandlungen einzustellen. Dafür wolle er von den Friedensgesprächen in Ghana umgehend nach Monrovia reisen.

Rebellensprecher Sekou Fofana machte jedoch deutlich, man werde Taylors Nachfolger Moses Blah nicht als Präsidenten anerkennen und sich weigern, mit seiner Regierung zusammenzuarbeiten. Blah war Taylors Stellvertreter und langjähriger Verbündeter. Er soll die Macht im Oktober an eine Übergangsregierung abgeben, die Liberia zu freien Wahlen führen soll.

Neue Kämpfe in Monrovia

Augenzeugen zufolge formierten sich am Dienstag in der Nähe des Flughafens Kämpfer, die eine neue Front zu bilden drohten. Sie seien in Wohnhäuser eingedrungen und hätten die Bewohner willkürlich mit Messern getötet, hieß es.

Regierungstruppen und Kämpfer der Rebellengruppe Model lieferten sich neue Gefechte auf der Straße zwischen der Hafenstadt Buchanan und dem Flughafen von Monrovia, berichtete der britische Sender BBC. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, die bislang informelle Waffenruhe gebrochen zu haben.

UN fordern Auslieferung Taylors

Der UN-Sondergerichtshof in Sierra Leone forderte derweil die Auslieferung Taylors für einen Kriegsverbrecher-Prozess. Regierungen afrikanischer Länder, insbesondere Nigerias, müssten "dafür sorgen, dass Taylor vor Gericht gestellt wird", heißt es in einer am New Yorker UN-Sitz veröffentlichten Erklärung der UN-Ankläger.

Taylor wurde bereits in Abwesenheit vor dem auf Beschluss des Weltsicherheitsrates geschaffenen Gericht in Freetown wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Ihm werden insgesamt 17 Fälle von Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Verletzungen der Genfer Konvention vorgeworfen, die er von 1996 bis 2000 durch seine direkte Unterstützung der für Grausamkeiten bekannten Rebellentruppe RUF in Sierra Leone begangen haben soll.

Quelle: n-tv.de

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