Politik

BMU stellt Atomstudie vor Renaissance findet nicht statt

15317095.jpg

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Atomenergie befindet sich einer Studie des Bundesumweltministeriums zufolge in einem globalen Abwärtstrend. Eine sinkende Zahl von Reaktoren produziere einen immer geringeren Teil der weltweit genutzten Energie, erklärte das Ministerium bei Vorlage des "Welt-Statusberichts Atomindustrie 2009".

Verfügbares Fachpersonal, Geld und Industriekapazitäten reichten nicht aus, um den Niedergang aufzuhalten, "geschweige denn, die Zahl der Reaktoren zu vergrößern", erklärte Minister Sigmar Gabriel (SPD). Die von "Propagandisten" immer wieder behauptete "Renaissance der Atomenergie" finde nicht statt.

Der Studie zufolge waren Anfang August 2009 weltweit 435 Atomreaktoren in Betrieb - neun weniger als noch 2002. Atomkraft machte demnach zuletzt etwa zwei Prozent der weltweit genutzten Endenergie aus, mit seit Jahren abnehmender Tendenz. Zahl und Gesamtleistung der Akw weltweit werden nach Vorhersage des Ministeriums bis zum Jahr 2025 weiter sinken.

Fachpersonal fehlt

Selbst um die Zahl der aktiven Akw nur konstant zu halten, müssten nach der Studie bis 2015 insgesamt 47 neue Reaktoren geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden - jeweils ein neuer Reaktorblock alle sechs Wochen -, und zwar zusätzlich zu 52 offiziell bereits "in Bau" befindlichen Anlagen. In den zehn folgenden Jahren bis 2025 müssten demnach noch einmal 191 Akw hinzukommen, also eines alle 18 Tage, wie die Autoren der Studie um den Pariser Experten Mycle Schneider errechneten. Auch wenn in den USA dutzende Reaktoren tatsächlich wie genehmigt je 20 Jahre länger liefen, wären 2015 demnach 17 Akw weniger am Netz als heute, und im nachfolgenden Jahrzehnt fehlten weitere 173 Reaktoren.

Das wohl "größte Hindernis, das den nuklearen Ambitionen entgegensteht", ist der 125-seitigen Studie zufolge fehlendes Fachpersonal. Selbst in Frankreich, dem Land mit der wohl breitesten atomtechnischen Kompetenz, bestehe ein "besorgniserregendes Defizit". Dort stünden gegenwärtig 300 Absolventen einschlägiger Studiengänge dem vier- bis fünffachen Bedarf gegenüber. Zumindest kurzfristig gebe es auch "ernste Engpässe bei den Industriekapazitäten". So könne nur ein einziges Unternehmen auf der Welt die Stahlgussteile für bestimmte Reaktordruckbehälter herstellen. Nicht zuletzt stiegen die Kosten für Akw-Bauprojekte stetig an, statt mit der Erfahrung zu sinken. Daher sehen die Experten "keine Anzeichen" für eine "strahlende Zukunft" der Atomindustrie.

Quelle: ntv.de, AFP