Politik
Ein Kämpfer der PLFP.
Ein Kämpfer der PLFP.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
Montag, 11. März 2013

Französische Stadt ehrt einen Mörder: Rimawi wird Ehrenbürger von Bezons

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Der Palästinenser Rimawi soll 2001 Israels Tourismusminister Zeevi in Jerusalem erschossen haben. Zudem gilt er als Kopf dieser Terroristenzelle, die hinter dem Anschlag steckte. Rimawi verbüßt dafür eine lebenslange Haftstrafe. Eine französische Stadt ernennt ihn nun zu ihrem Ehrenbürger, weil sie seit 65 Jahren Solidarität mit den Palästinensern pflege.

Die französische Stadt Bezons bei Paris hat einen der Mörder des israelischen Tourismusministers Rehabeam Zeevi zum Ehrenbürger ernannt. Majdi Al-Rimawi war von einem israelischen Gericht zu lebenslänglicher Haft plus 80 Jahre verurteilt worden. Zeevi wurde 2001 im Jerusalemer Hyatt Hotel erschossen. Zudem soll Rimawi als Befehlshaber des "bewaffneten Arms" der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) mehrere Selbstmordattentäter nach Jerusalem geschickt hatte.

PFLP-Chef Ahmad Saadat
PFLP-Chef Ahmad Saadat(Foto: picture-alliance/ dpa)

Im Jahr 2002 belagerten israelische Truppen Jassir Arafats Hauptquartier in Ramallah. Dorthin hatten sich von Israel gesuchte Terroristen geflüchtet, darunter Rimawi und PFLP-Chef Ahmad Saadat. Um die Belagerung von Arafat Hauptquartier aufzuheben, hatte Israel eine Übergabe der Mörder des Zeevis gefordert. Die US-Amerikaner und Briten vermittelten einen Kompromiss. Erst ließ Arafat die fünf Mordverdächtigen bei einem Feldprozess zu 18 Jahren Haft verurteilen. Daraufhin wurden sie ins Gefängnis von Jericho gebracht, wo britische Gefängniswächter garantieren sollten, dass sie nicht auf freien Fuß gesetzt würden.

Im März 2006 kam es in dem Gefängnis zu einem Aufstand. Die britischen und amerikanischen Wächter wurden abgezogen, woraufhin Israel einmarschierte und das Gefängnis einnahm. So gelangten die prominenten Häftlinge nach Israel und wurden dort zu Haftstrafen verurteilt.

In der Tradition der Resistance

Die Stadt Bezons ernannte Rimawi bereits Mitte Februar zum  Ehrenbürger, wie erst jetzt das israelische "Palestinian Media Watch" veröffentlichte, nachdem die Ehrung in den palästinensischen Medien publik worden war.

Bezons Bürgermeister, Dominique Lesparre, erklärte bei der Feier den Vertretern des palästinensischen Partnerdorfes Beni Zaid, dass seine Stadt in der Tradition der Resistance, der Widerstandsbewegung gegen die Nazis, stehe und deshalb seit 65 Jahren Solidarität mit den Palästinensern pflege. Denn seit dieser Zeit - seit der Gründung Israels - leben sie ohne eigenen Staat in besetztem Land. Zudem wurden sie seit 1967 von den israelischen Herrschern "kolonialisiert". Der Stadtrat habe einstimmig die Ehrung von Rimawi beschlossen, weil er seit zehn Jahren in einen israelischen Kerker ausharre, nur weil er sich, zusammen mit seinem Volk, am Kampf der Resistance beteiligt und gegen die Besatzung seines Landes gekämpft habe - einen Kampf für die Freiheit. In seine Rede ging es um eine "universale Brüderlichkeit" mit "Friedenskämpfern". Der Bürgermeister verglich die Lage der Palästinenser mit der in Afghanistan, Libanon, Tschetschenien, Libyen, Somalia, Kurdistan und Mali, wo die Menschen Bürgerkrieg und Völkermord ausgesetzt seien.

Noch liegt keine offizielle israelische Reaktion vor. Derzeit hält sich Staatspräsident Shimon Peres zu einem Staatsbesuch in Frankreich auf.

Nebenbei: Bezons sorgte dieser Tage für Schlagzeilen in Frankreich, weil die Polizei dort ein Lager der Roma aufgelöst hatte.

Quelle: n-tv.de