Politik

"Mir auf den Arsch geguckt" SPD-Abgeordnete legt sich mit AfD an

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Nadine Julitz trägt, was sie will.

(Foto: imago images/BildFunkMV)

Während einer Sitzung des Schweriner Landtags kommentiert ein AfD-Abgeordneter das "knappe Kleid" einer SPD-Kollegin. Noch am Rednerpult beschwert sie sich darüber - und tritt damit eine Debatte über die Frage los, wann ein Kompliment kein Kompliment mehr ist; sondern Sexismus.

Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ist ein Streit um Sexismus entbrannt: Ursprung ist ein Vorfall während einer Sitzung des Parlaments Mitte Mai, den die SPD-Abgeordnete Nadine Julitz noch am Rednerpult erstmals angesprochen hatte. Die 30-Jährige wies darauf hin, dass sie der AfD-Abgeordnete Jens-Holger Schneider beim Aufstehen halblaut auf ihr "knappes Kleid" angesprochen habe. "In diesem Moment haben alle, die es verstanden haben, mir auf den Arsch geguckt", so Julitz. "Ich musste das ertragen." Seither tobt in Schwerin eine Debatte.

Der Grund: An diesem Mittwoch sprach Julitz den Vorfall ein zweites Mal öffentlich im Plenum an, weil Schneiders Spruch damit verteidigt worden sei, dass es sich um ein Kompliment gehandelt habe. "Die Bemerkung mit dem Kleid ist kein Kompliment, das ist Sexismus", erklärte Julitz. Laut einem Bericht des "Nordkurier" erhielt die Abgeordnete für ihre Erklärung großen Beifall aus den Reihen des Landesparlaments. Das Landtagspräsidium habe infolge dessen mehrmals darauf hingewiesen, dass sich die Abgeordneten nicht über den Kleidungsstil der Kollegen zu äußern hätten.

Die Linken-Abgeordnete Simone Oldenburg sagte dem "Nordkurier", es liege allein im Ermessen von Betroffenen, "ob sie eine Bemerkung als Kompliment auffassen, ob es ein vergiftetes Kompliment oder gar eine sexuelle Belästigung für sie ist". Auch die fraktionslose Abgeordnete Christel Weißig sprang Julitz zur Seite. Die Bemerkung von Schneider sei "eine Unverschämtheit" gewesen, sagte sie der Zeitung. Grundsätzlich erlebe sie die männlichen Kollegen im Landtag aber als "höflich und respektvoll".

"Lehrstunde für die AfD"

Julitz teilte einen Videomitschnitt ihrer Erklärung auch in den sozialen Medien - und erhielt dort ebenfalls überwiegend Unterstützung. "Sehr stark, dass sie das noch mal öffentlich im Plenum ansprechen", kommentierte ein Twitter-Nutzer. "Schade, dass so was überhaupt noch nötig ist." Andere Nutzer zeigten sich weniger verständnisvoll. Julitz sei selbst schuld, wenn sie ein kurzes Kleid trage, schrieb ein Nutzer auf Instagram und plädierte für verbindliche Bekleidungsregeln. "Haben wir demnächst Zustände, wie sie vor Jahrzehnten im italienischen Parlament herrschten, als eine Abgeordnete regelmäßig 'blank gezogen' hat, und es hat kommentarlos geduldet zu werden?"

Gegenwind kam auch aus der AfD-Fraktion. Der Abgeordnete und sozialpolitische Sprecher der Landes-AfD, Thomas de Jesus Fernandes, beschwerte sich laut "Nordkurier" darüber, dass es kaum noch möglich sei, einer Frau ein Kompliment zu machen. Ein Argument, das Julitz nicht gelten lassen will. Der Spruch sei vielmehr ein Versuch gewesen, "mich als Politikerin zu erniedrigen und einzuschüchtern". Auf Instagram erklärte Julitz zu ihrer "Lehrstunde für die AfD": "Ich fürchte wir müssen dran bleiben, es hat bestimmt nicht gefruchtet."

Quelle: ntv.de, jug

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