Politik

Heftige Wahl-Schlappe SPD kanzlert Gabriel ab

Bei der Wahl zum Parteivorsitzenden muss SPD-Chef Gabriel eine Schlappe einstecken. Nicht einmal drei Viertel der Delegierten wählen ihn für eine weitere Amtszeit.

Um 15.20 Uhr erschüttert eine Zahl den SPD-Parteitag in Berlin. 74 Prozent. Nur 456 der insgesamt 620 SPD-Delegierten haben für Parteichef Sigmar Gabriel gestimmt. Es ist das schlechteste Ergebnis eines SPD-Chefs seit 1995, als Oskar Lafontaine 62,6 Prozent holte. Gabriel fährt das zweitschlechteste in der Nachkriegsgeschichte ein.

   Als die Zahl verkündet wird, ist es kurz still im Saal. Betretene Blicke, dann wird geklatscht, einige Delegierte stehen auf. Es ist ein trotziger Applaus gegen eine Klatsche, die die wenigsten erwartet hatten. Und Gabriel? Der tritt vors Mikro. "Setzt euch mal wieder hin. Man muss nicht erst dagegen stimmen und dann aufstehen", sagt er bissig. 

Bei seiner ersten Wahl 2009 hatte Gabriel 94,2 Prozent erhalten, 2011 waren es 91,6, vor zwei Jahren 83,6 - und jetzt das. "Die Acht muss vorne stehen", hatte Fraktionsvize Axel Schäfer das Wahlziel vorher formuliert. Doch die 80-Prozent-Marke wurde deutlich verfehlt. Die Partei straft Gabriel ab, heftiger und ehrlicher, als das viele erwartet hatten. Zwei Jahren vor der Bundestagswahl, bei der Gabriel eigentlich als Kanzlerkandidat antreten und Angela Merkel ablösen will, stattet die Partei ihm nicht mit dem so wichtigen Vertrauen aus.

Gabriel: "Abgestraft. Da ist ja was dran"

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Sigmar Gabriel: "So is' Lebbe."

(Foto: AP)

Gabriel hat seine eigene Sicht auf das Wahlergebnis. "Jedem ist klar, was ich will. 25 Prozent wollen das nicht", sagt er. Mit müden Augen steht er am Rednerpult. Das hatte er sich anders vorgestellt.  "So is‘ Lebbe in einer Demokratie", sagt er flapsig. Im nächsten Moment verteidigt er das schlechte Ergebnis. "Ich habe euch nicht geschont."

Im Saal wirken derweil jene 74 Prozent nach. Am Eingang steht Justizminister Heiko Maas, ein paar Schritte weiter Gabriels Staatssekretär Matthias Machnig. Nachdenkliche Blicke. Viele Sozialdemokraten im Saal schütteln mit dem Kopf, schauen sich gegenseitig fassungslos an. Wenn die Aussichten der SPD, 2017 wieder den Kanzler zu stellen, vor der Wahl schon schlecht waren, wie sind sie dann jetzt? 

Gabriel ist trotzig. Er formuliert Überschriften für die Journalisten. "Gabriel abgestraft. Da ist ja auch was dran." Dennoch gibt er sich unbeirrt. "Jetzt ist mit Dreiviertelmehrheit entschieden, wo es langgeht, deswegen nehme ich die Wahl an", sagt er zum Abschluss. Dann gibt es Blumen und Glückwünsche. Wenn man in die Gesichter schaut, sieht es eher nach Beileidsbekundungen aus.

Quelle: ntv.de