Politik

Kundus-Bombardement Sagt Oberst Klein die Wahrheit?

Bei der Vernehmung mehrerer Soldaten zum Luftanschlag in Kundus gibt es widersprüchliche Aussagen zwischen dem beteiligten Fliegerleitoffizier mit dem Codenamen "Red Baron" und Oberst Klein.

DEU_Afghanistan_Klein_Ermittlungen_FRA113.jpg8981667232509057053.jpg

Widersprüchliche Aussagen zum tödlichen Bombardement: Oberst Klein.

(Foto: AP)

Die Aussagen des deutschen Kommandeurs Georg Klein vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss haben andere befragte Soldaten nach Medienberichten teils dementiert. Der damalige Fliegerleitoffizier sagte nach Informationen des Magazins "Focus" bei der Befragung aus, Oberst Klein sei über Absprachen mit den US-Bomberpiloten umfassend informiert worden. Klein habe dagegen vor dem Ausschuss am 10. Februar angegeben, die Kommunikation sei überwiegend zwischen dem Oberfeldwebel, Codename "Red Baron 20", und den Kampfjets gelaufen. Auch einige Ausschussmitglieder hatten erklärt, dass es deutliche Widersprüche zwischen den Aussagen Kleins und des Fliegerleitoffiziers zum tödlichen Bombardement gegeben habe.

Der "Spiegel" berichtete, der Fliegerleitoffizier und ein ebenfalls geladener Bundeswehr-Hauptmann hätten ausgesagt, dass sie mit der Bombardierung ausschließlich die beiden von den Taliban entführten Treibstofflaster als Gefahr ausschalten wollten. Oberst Klein hatte hingegen erklärt, Ziel seien die Laster sowie Aufständische in der unmittelbaren Nähe gewesen. Zudem hätten die Untergebenen Klein nach eigenen Angaben mehrfach den Vorschlag der US-Piloten übermittelt, zur Abschreckung einen Tiefflug zu unternehmen. Klein habe dagegen ausgesagt, der Vorschlag sei nur einmal an ihn herangetragen worden.

Fliegerleitoffizier befördert

Oberst Klein hatte vor dem Ausschuss die volle Verantwortung für den von ihm befohlenen Luftangriff übernommen. Bei dem schlimmsten Bombardement in der Geschichte der Bundeswehr waren im September 2009 im Norden Afghanistans bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden. Ungeachtet der Fehler beim Bombardement wurde der Fliegerleitoffizier nach "Spiegel"-Angaben im vergangenen Jahr nach dem Vorfall turnusgemäß zum Hauptfeldwebel befördert.

kriegsähnlich.jpg

Die genaue Zahl der Opfer des Angriffs ist nicht bekannt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Streit um die Zeugenliste im Kundus-Untersuchungsausschuss dauert an. Der Obmann der Grünen, Omid Nouripour, warf Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vor, sich hinter seinen Untergebenen zu verstecken. Guttenbergs Ankündigung, schnell aussagen zu wollen, stehe im Widerspruch zur Entscheidung der Koalition, einen frühen Auftritt des Ministers vor dem Ausschuss zu verhindern. "Das ist völlig unglaubwürdig", sagte Nouripour der "Rhein-Zeitung".

Die Opposition hält Schwarz-Gelb vor, Guttenberg schützen zu wollen. Die Reihenfolge der Vernehmungen sei günstiger für den Minister, da er zum späteren Termin 25. März auf die Aussagen der ersten Zeugen reagieren kann. Eine Woche vorher sollen der frühere Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und der ehemalige Staatssekretär Peter Wichert vernommen werden. Beide hatten in der Kundus-Affäre auf Betreiben Guttenbergs ihre Ämter niederlegen müssen.

Steiner für Mützelburg?

Neuer Afghanistan-Beauftragter der Bundesregierung soll nach einem "Spiegel"-Bericht der Diplomat Michael Steiner als Nachfolger von Bernd Mützelburg werden. Der frühere außenpolitische Berater von Ex- Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist derzeit Botschafter in Rom. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) habe sich für Steiner entschieden, weil der Diplomat als durchsetzungsfähig gelte, hieß es. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte allerdings auf Anfrage: "In dieser Sache ist noch keine Entscheidung getroffen."

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema