Politik

Verleumdung und Vererbung Sarrazin wirft Gabriel Lügen vor

Buchautor und SPD-Mitglied Sarrazin scheint es auf ein neues Parteiausschlussverfahren anzulegen. In einem Brief an die SPD-Führung wirft er Parteichef Gabriel vor, "öffentlich bewusst Lügen" zu verbreiten. Sein Buch enthalte dagegen "nachweislich" keine einzige verleumderische Aussage zum Islam.

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Thilo Sarrazin

(Foto: picture alliance / dpa)

Zwischen der SPD-Führung und dem umstrittenen Buchautor Thilo Sarrazin bahnt sich neuer Streit an. Der frühere Bundesbankvorstand wehrt sich in einem Brief an den SPD-Parteivorstand gegen Vorwürfe von SPD-Chef Sigmar Gabriel, die dieser kürzlich in einem Interview fallen ließ.

In dem Brief, den die "Welt" veröffentlichte, schreibt Sarrazin, Gabriel habe sich in den vergangenen Monaten "wiederholt unwahrhaftig und verleumderisch geäußert". Weiter heißt es dort: "Entweder hat Sigmar Gabriel mein Buch bis heute nicht gelesen und bramarbasiert öffentlich in unverantwortlicher Weise vor sich hin. Oder er verbreitet öffentlich bewusst Lügen, um seinen eigenen taktischen Zwecken zu dienen. In beiden Fällen schadet sein Verhalten nicht nur seinem Ansehen, sondern auch dem der SPD."

Mit dem Hinweis auf den "Schaden", den Gabriel der SPD zufüge, spielt Sarrazin offenbar auf das Parteiausschlussverfahren gegen ihn an, das mit parteischädigendem Verhalten begründet worden war.

"Der Stand der Wissenschaft"

Auch inhaltlich tritt Sarrazin in seinem Schreiben so auf wie gewohnt: "Zur Sache stelle ich fest, dass mein Buch 'Deutschland schafft sich ab' nachweislich keine einzige verleumderische Aussage zu Muslimen oder zum Islam enthält. Soweit es sich zu Fragen der Vererbung äußert, reflektiert es den Stand der Wissenschaft."

Wie auch immer man zu Sarrazins Thesen stehen mag, "Stand der Wissenschaft" sind sie nicht. Der Präsident des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin, Diethard Tautz, sagt, es sei davon auszugehen, "dass jede Volksgruppe grundsätzlich das gleiche genetische Potenzial für Intelligenzleistungen hat". Die von Sarrazin in seinem Buch zitierte Intelligenzforscherin Elsbeth Stern sagt, unterdurchschnittlich intelligente Eltern können überdurchschnittlich intelligente Kinder haben und umgekehrt.

Gabriel warf Sarrazin "Verleumdung der Muslime" vor

SPD-Chef Gabriel hatte am Sonntag in einem Interview über den designierten Bundespräsidenten gesagt, er schätze an Joachim Gauck, dass er sich nicht in Schubladen packen lasse. Weiter sagte Gabriel: "Wenn jemand kritisiert wird, stellt er sich sofort an seine Seite. Das ist ein sehr sympathischer Reflex, aber einer, der nicht ungefährlich ist. Aus dieser Haltung heraus hat er Sarrazin 'mutig' genannt - obwohl er sich von Sarrazins Verleumdungen der Muslime und den noch schlimmeren Vererbungsthesen klar distanziert hat."

In seinem vor zwei Jahren erschienenen Buch "Deutschland schafft sich ab" stellt Sarrazin den Geburtenrückgang, eine wachsende Unterschicht und die Zuwanderung aus muslimischen Ländern als Bedrohung für die Gesellschaft dar.

Sarrazin, der Berichten zufolge Millionen mit seinen Thesen verdient hat, schreibt bereits an einem neuen Buch. Es soll im Sommer erscheinen und die Euro-Krise zum Thema haben. Ein weiteres Parteiausschlussverfahren käme da möglicherweise nicht ganz ungelegen.

Quelle: n-tv.de, hvo/AFP

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