Politik

G7-Gipfel in Bayern Schlammschlacht vor dem Sturm auf Elmau

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Trockene Füße hatte am Morgen nach dem Gewitter kaum einer.

Issio Ehrich

Ein heftiges Unwetter setzt das Protest-Camp der G7-Gegner unter Wasser. Ausgerechnet in der Nacht vor dem großen Sternmarsch auf Schloss Elmau. Haben die Demonstranten noch genug Energie für ihren Protest?

Der Schlamm reicht weit über seine Knöchel. Der Endzwanziger, der gerade Dienst in der Volksküche im G7-Protestcamp macht, watschelt über den matschigen Boden seines Arbeitsplatzes. In einer Ecke zertritt er Holzkisten, die offensichtlich niemand mehr braucht. Braunes Wasser spritzt auf. Funktioniert noch alles in der Küche? Bekommen die 2000 Camp-Bewohner an diesem Morgen Frühstück? Der Koch will keine Antworten geben.

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Für etliche Demonstranten wurde der Bahnhof von Garmisch-Partenkirchen zur Notunterkunft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Am Vorabend ist ein heftiges Gewitter über das Camp in Garmisch-Partenkirchen hinweggezogen. Weil es blitzte, wurde das Camp kurzfristig evakuiert. Die Bewohner sollten in einer Turnhalle Notunterkunft finden. Doch noch in der Nacht hieß es, das sei doch nicht nötig. Und sie mussten zurück. Zurück in abgesoffene Zelte, in ein Camp ohne Strom, ohne funktionierendes Abwassersystem. Und das ausgerechnet vor dem großen Sternmarsch, vor dem Versuch, so nah wie möglich an Schloss Elmau heranzukommen? Dort beginnt heute der Gipfel der Staats- und Regierungschefs von sieben großen Industriestaaten. Ein Besuch im Camp am Morgen nach dem Unwetter - und vor der Sturm.

Weil der Kerl in der Volksküche nichts sagen will, geht es ein paar Meter den Weg entlang. Links liegt die Loisach, rechts die Zeltreihen. Eine 26-jährige Berlinerin ist gesprächiger. Die junge Frau hat noch ein wenig Schlaf in den Augen, aber einen Kaffee in der Hand. Und sie versichert, dass sie aufs Frühstück heute nicht verzichten muss. "Es war aber schon ein Scheiß", sagt sie. "Wir mussten mitten in der Nacht die Abflüsse entleeren." Viele seien noch am Abend abgereist. "Ich weiß allerdings nicht genau, ob wegen der Demo oder wegen des Wetters."

Am Freitagnachmittag, kurz vor dem Unwetter, ist es bei einer Kundgebung zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Es gab einen Pfefferspray-Einsatz, Knüppelschläge und fliegende Flaschen. Sie könne sich gut vorstellen, dass einige sich das nicht noch einmal antun wollen, sagt sie. Sie könne aber auch verstehen, wenn Leute keinen Bock mehr auf Zelten hätten. Die junge Frau nimmt noch einen Schluck von ihrem Kaffee. Sie wirkt erstaunlich fit angesichts der kurzen Nacht, die sie hatte. Es sei zwar unbequem gewesen, sagt sie, so schlimm aber auch wieder nicht.

300 Leute ohne trockenen Schlafplatz

Auf einem Anhänger sitzt ein Mitglied des Motorradclubs "Kuhle Wampe". Der Trupp ist so etwas wie die Handwerker-Crew des Camps. Der bärtige Mann in Kutte hat mit seinen Kollegen in der Nacht alle Generatoren im Camp abgeschaltet und die Kabel gezogen. Denn ständig schlugen in der Nähe Blitze ein. "Bei uns lief alles nach Vorschrift", versichert er. Probleme, die Generatoren wieder in Gang zu setzen, habe es nicht geben.

Als größtes Problem macht auch er nasse Zelte aus. Einige Teile des Platzes, der alles andere als eben ist, hätten komplett unter Wasser gestanden. "300 Leute hatten kein trockenes Zelt." Einige dieser Leute versuchten, den Schlamm um ihre Zelte herum wegzuschaufeln und sie so trocken zu legen. Andere übernachteten im Bahnhof oder hatten das Glück, Obhut bei Einheimischen zu finden. Auch der Mann vom Club "Kuhle Wampe" räumt ein, dass einige abgereist sind. Und er berichtet, dass die Leute von der Volksküche Angst hatten, dass überhaupt niemand mehr kommt. "Die haben jedes ausgegebene Essen gefeiert", sagt er. Laut dem Biker blieben am Ende aber doch viele: "Das bisschen Schlamm macht den Leuten hier nicht wirklich was aus."

Quelle: n-tv.de

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