Politik

Ungarns Präsident wackelt Schmitt verliert Doktortitel

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Pal Schmitt soll 197 von 215 Seiten abgeschrieben haben.

(Foto: REUTERS)

Der Druck auf den ungarischen Präsidenten Schmitt wächst. Die Semmelweis-Universität erkennt ihm wegen nachgewiesenen Plagiierens den Doktortitel ab. Rücktrittsforderungen werden laut. Er selbst will davon allerdings nichts wissen.

Dem ungarischen Staatspräsidenten Pal Schmitt ist wegen erwiesener Plagiatsvorwürfe der Doktortitel aberkannt worden. Diese Entscheidung traf der Senat der Budapester Semmelweis-Universität für Medizinwissenschaften (SOTE). Schmitts Dissertation aus dem Jahr 1992 entspreche "nicht den Kriterien einer nach wissenschaftlichen Methoden verfertigten Arbeit", erklärte SOTE-Rektor Tivadar Tulassay. 33 Mitglieder des Gremiums stimmten für, nur 4 gegen die Maßnahme. Schmitt äußerte bis zum Abend nicht zu der Entwicklung. Sein Rücktritt erscheint nun nicht mehr ausgeschlossen.

Die Plagiatsvorwürfe gegen das Staatsoberhaupt waren zu Jahresbeginn von Online-Journalisten des Wochenmagazins "HVG" erhoben worden. Sie hatten die entsprechenden Quellenwerke ausfindig gemacht und das Plagiat durch Textvergleiche identifiziert. Schmitt soll demnach 197 von 215 Seiten seiner Arbeit über die Geschichte der olympischen Bewegung abgeschrieben haben. Als Grundlage dienten die französische Fassung einer Monographie des bulgarischen Sportwissenschaftlers Nikolaj Georgijew und eine Studie des Hamburger Soziologen Klaus Heinemann.

Schmitt sieht sich entlastet

Eine Untersuchungskommission der SOTE war nach zweimonatigen Recherchen zu praktisch derselben Schlussfolgerung gelangt. Zugleich hatte aber das Gremium Schmitt von eigenem Verschulden freigesprochen, weil seine damalige Hochschule – die heute in die SOTE integrierte Universität für Körperkultur – die Arbeit nicht hätte annehmen dürfen. Schmitt wertete dies als "Persilschein". Er sehe in dem Gutachten sogar "eine Art Genugtuung", hatte er erklärt. An einen Rücktritt denke er "keinen Augenblick".

Wissenschaftler, die Regierungspartei FIDESZ (Bund Junger Demokraten) nahe stehen, forderten den Rücktritt des Staatspräsidenten. Die dem rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban nahestehende Tageszeitung "Magyar Nemzet" stieß ins selbe Horn. "Herr Präsident, überlegen Sie sich's noch mal!" übertitelte sie den entsprechenden redaktionellen Leitartikel. Das Blatt legte Schmitt nahe, den Rücktritt zu erklären.

Quelle: ntv.de, dpa

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