Politik

Vorstoß empört auch Lehrer Schüler drohen Laschet mit Boykott

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Armin Laschet wird als Krisenmanager in NRW auf die Probe gestellt.

(Foto: dpa)

Obwohl NRW-Landeschef Laschet gegen Alleingänge in der Corona-Krise ist, will sein Bundesland vor allen anderen wieder Unterricht in Schulen stattfinden lassen. Schüler machen im Netz dagegen mobil, und Lehrer halten die zeitnahe Öffnung aus einem anderen Grund für zu ambitioniert.

"Keine Alleingänge, sondern nur gemeinsame Entscheidungen." So hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet die Ergebnisse der Telefonkonferenz zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länder-Chefs auf seinem Instagram-Account zusammengefasst. Und doch will sein Bundesland die Schulen früher, als in der Bund-Länder-Vereinbarung beschlossen, öffnen. Im Netz formiert sich nun Widerstand gegen die am nächsten Donnerstag startende Wiederaufnahme des Schulbetriebs.

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Über 180.000 Aufrufe hat Laschets Instagram-Video bereits, die Kommentarspalte ist voll mit Beiträgen empörter Schüler. Auf Twitter wird unter dem Hashtag #SchulboykottNRW dazu aufgerufen, am 23. April zu Hause zu bleiben. Die Kommentare weisen häufig darauf hin, dass NRW besonders vom Coronavirus betroffen ist - und dennoch vor allen anderen Bundesländern die Schulen öffnen will. In Nordrhein-Westfalen sind oder waren bislang mehr als 28.000 Menschen infiziert, 808 sind an den Folgen von Sars-CoV-2 gestorben.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Kindler kann den Unmut verstehen. Schülerinnen und Schüler hätten Angst davor, "sich und andere Menschen durch einen überstürzten, aktionistischen Schulstart zu gefährden, wenn der notwendige Schutz und die hygienischen Voraussetzungen in Schulen nicht gegeben sind", schrieb Kindler auf Twitter.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hatte den Fahrplan für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs im bevölkerungsreichsten Bundesland vorgestellt. Demnach sollen die Schulen bereits in der kommenden Woche für Schüler öffnen, die vor Abschlussprüfungen stehen. Prüflinge könnten dann freiwillig zur Schule kommen. Das betrifft 148.000 von insgesamt 2,5 Millionen Schülern in NRW. Am Montag werden die weiterführenden NRW-Schulen zunächst für Lehrkräfte, Personal und Vertreter der Schulträger geöffnet. Dieser Personenkreis hat dann bis einschließlich Mittwoch Zeit, um Vorbereitungen für die Umsetzung von Corona-Schutzmaßnahmen und Hygieneplänen zu treffen.

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"Die Märkte sind ja de facto tot"

Doch selbst Lehrer halten das Voranpreschen der Landesregierung für "zu ambitioniert". Der Präsident des nordrhein-westfälischen Lehrerverbands, Andreas Bartsch, zweifelt im Gespräch mit der "Rheinischen Post" an der zeitlichen Machbarkeit. Ihm sei ein Fall bekannt, in dem ein Dezernent händeringend versuche, Desinfektionsmittel für seine 50 Schulen zu bekommen, was bislang für 40 gelungen sei. "Die Märkte sind ja de facto tot", gab Bartsch zu bedenken. Auch müssten Fragen der Reinigung in den Schulen geklärt und Kapazitäten bei der Beförderung der Schüler aufgebaut werden. "Da macht es sich die Ministerin schon einfach, wenn sie sagt, die Schulen hätten ja gewusst, dass es am 20. April wieder losgehen könnte."

Andere Bundesländer starten erst in der Folgewoche, am 27. April, mit dem Unterricht für Abiturienten und Abschlussklassen. Laut den Bund-Länder-Vereinbarungen vom Mittwoch zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise sollen die Schulen ab 4. Mai schrittweise öffnen. Bayern beginnt zwar ebenfalls früher mit dem Unterricht "zur Prüfungsvorbereitung für Abschluss- und Meisterklassen", will aber erst am 11. Mai weitere Jahrgangsstufen an die Schulen lassen.

Quelle: ntv.de, mba