Politik

Attacke auf Bush Schuhwerfer ist Nationalheld

Der irakische Journalist, der US-Präsident George W. Bush während seines Abschiedsbesuches in Bagdad mit Schuhen beworfen hat, ist dadurch für einige seiner Landsleute zum Helden geworden. "Wir gratulieren ihm zu seinem mutigen Auftreten", erklärte die regierungskritische irakische Nachrichtenagentur INA. Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten sprach von einem "historischen Moment", in dem Bush und der Weltöffentlichkeit gezeigt worden sei, "was die Iraker von der Besatzung halten".

Der 28-jährige Montasser al-Saidi, der für den Fernsehsender Al-Bagdadija arbeitet, hatte während einer Pressekonferenz mit Bush und dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki am Sonntag in Bagdad seine beiden Schuhe nach dem US-Präsidenten geworfen, der den Wurfgeschossen aber ausgewichen war. Die irakische Organisation für den Schutz von Journalisten erklärte, es hätten sich bereits 50 Anwälte gemeldet, die bereit seien, Al-Saidi zu verteidigen. Der Vorsitzende der Organisation, Ibrahim al-Saradschi, sagte: "Noch wissen wir nicht, welche Straftat die Regierung Al-Saidi vorwirft." Die kurdische Journalistengewerkschaft im nordirakischen Erbil kritisierte derweil das "schlechte Benehmen" des Al-Bagdadija-Reporters.

Regierung fordert Entschuldigung

Der Journalist war nach seiner Schuh-Attacke festgenommen worden. Al-Bagdadija forderte am Montag "im Namen der Demokratie und der Meinungsfreiheit" seine Freilassung. Das irakische Kabinett verlangte von dem Sender, der seinen Sitz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat, seinerseits eine "offizielle Entschuldigung für den Angriff auf den US-Präsidenten, der unser Gast war".

Al-Saidi, der nach Informationen der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unverheiratet ist und seit 2003 für den TV-Sender arbeitet, war vor zwei Jahren von Unbekannten vor seinem Haus in Bagdad entführt und nach einer Woche wieder freigelassen worden. Der bekannte irakische Musiker Nasir Schamaa äußerte Verständnis für den Journalisten. Al-Saidi sei offensichtlich von "seiner Wut über die Zerstörung des Irak durch Bush" getrieben worden, sagte Schamaa, der in Kairo eine Schule für arabische Lautenmusik betreibt.

In Basra protestierten mehrere Hundert Anhänger des Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr gegen den Bush-Besuch. Der US-Präsident habe die irakische Regierung vor seinem Besuch nicht um Erlaubnis gebeten, "und damit die Souveränität des Iraks verletzt", erklärte die Demonstranten. In Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City gingen am Montag Hunderte Anhänger des Schuhwerfers auf die Straßen.

Jesiden ermordet, Leichengrab entdeckt

Im Nordirak ermordeten Unbekannte in der Nacht zum Montag sieben Mitglieder einer Familie, die der religiösen Minderheit der Jesiden angehört. Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete, die Mörder seien in das Haus der Familie in Sindschar (Provinz Ninive) eingedrungen. Sie erschossen drei Frauen und vier Männer. In Sindschar hatten Selbstmordattentäter im August 2007 unter den Jesiden das fürchterlichste Blutbad angerichtet, das der Irak seit dem Sturz von Ex-Präsident Saddam Hussein erlebt hat. Damals starben an einem Tag mehr als 300 Menschen. Viele Jesiden sind in den vergangenen Jahren vor der religiösen Verfolgung im Irak geflohen. Einige von ihnen haben sich in Deutschland angesiedelt.

Im Süden des Irak wurde ein Massengrab mit den Leichen von 250 Menschen entdeckt. Ein Angehöriger der nationalen Menschenrechtsorganisation sagte Aswat al-Irak am Sonntagabend, etwa 150 Tote aus dem Massengrab nördlich der Stadt Basra seien bislang identifiziert worden. Sie seien alle in der Ära des früheren Präsidenten Saddam Hussein getötet worden.

Quelle: n-tv.de

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