Politik

Korea-Konflikt Schusswechsel an der Grenze

An der schwer bewachten Grenze zwischen Süd- und Nordkorea ist es am Donnerstag erneut zu einem militärischen Zwischenfall gekommen. Soldaten beider Seiten lieferten sich nach Angaben des Generalstabs in Seoul einen kurzen Schusswechsel in der entmilitarisierten Zone.

Bis zu vier Salven aus Maschinengewehren seien aus noch ungeklärten Gründen von einem nordkoreanische Wachposten aus auf einen südkoreanischen Posten abgegeben worden. Nach Warnungen durch den Lautsprecher habe das südkoreanische Militär das Feuer mit 17 Salven erwidert. Es sei der erste derartige Vorfall in der entmilitarisierten Zone seit November 2001 gewesen. Auf südkoreanischer Seite gab es nach Militärangaben keine Verletzten. Ob nordkoreanische Soldaten verletzt oder getötet wurden, war zunächst unklar. Das kommunistische Nordkorea kommentierte den Zwischenfall zunächst nicht.

Der Anlass der Schüsse war zunächst nicht bekannt. Das südkoreanische Militär untersuche derzeit, ob die Schüsse der Nordkoreaner mit Absicht abgefeuert worden seien, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul. Auch das UN-Kommando in Südkorea habe sich in die Untersuchungen eingeschaltet.

Spannungen wegen des Atomstreits

Die entmilitarisierte Zone wurde nach dem Ende des Koreakriegs 1953 eingerichtet. Zwischenfälle hat es dort immer wieder gegeben, in letzter Zeit aber nicht mehr so häufig. Der Vorfall am Donnerstag fällt allerdings in eine Zeit erhöhter internationaler Spannungen, weil Nordkorea von den USA verdächtigt wird, an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Derzeit bemühen sich die USA und China um eine diplomatische Lösung der Probleme.

Die Regierung in Pjöngjang hat stets darauf bestanden, über den Konflikt in bilateralen Gesprächen mit den USA zu beraten. Washington hat dagegen multinationale Verhandlungen unter Einbeziehung Chinas, Japans, Südkoreas und möglicherweise auch Russlands gefordert. Der Agentur Yonhap zufolge hat Nordkorea nunmehr den chinesischen Vorschlag einer Dreierunde akzeptiert.

Dreier-Runde schon im August möglich

Demnach könnten Vertreter Nordkoreas, Chinas und der USA schon im August in Peking zusammentreffen. Bei einem späteren Treffen könnten dann auch Delegierte aus Südkorea und Japan hinzugezogen werden, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul. Die chinesische Regierung bestätigte, Vizeaußenminister Dai Bingguo werde am Wochenende nach Washington reisen, um auch die USA für das Treffen zu gewinnen.

Zuvor hatte sich US-Außenminister Colin Powell optimistisch über die Bemühungen zur Beilegung des Atomstreits geäußert. "Der diplomatische Weg ist lebendig, und ich erwarte auf diesem Weg schon in nächster Zukunft Fortschritte", sagte Powell am Mittwoch nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Joschka Fischer in Washington. UN-Generalsekretär Kofi Annan rief Nordkorea und die USA zur friedlichen Lösung des Konflikts auf.

Quelle: n-tv.de