Politik

Wo Deutsche Ausländer sind Schweizer haben die Nase voll

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Zehntausende Deutsche pendeln täglich zur Arbeit in die Schweiz.

(Foto: REUTERS)

Schotten dicht, die Deutschen kommen! Manche Schweizer scheinen so zu denken. Jetzt sagt auch eine Abgeordnete, es gebe zu viele Deutsche im Alpenland. Sie löst eine Debatte über ein Zuwanderungsventil aus. Rund ein Viertel der in der Schweiz lebenden Menschen sind Ausländer - die meisten davon Italiener, gefolgt von den Deutschen.

Mit ein paar scharfen Sätzen im Fernsehen hat die Schweizer Abgeordnete Natalie Rickli eine heftige Diskussion um Einwanderung in die Schweiz ausgelöst. Es geht vor allem gegen Deutsche. "Wir haben wirklich zu viele Deutsche im Land", hatte Rickli erklärt.

Seitdem verstummen die Kommentare im Internet nicht. "Das überall zu hörende Hochdeutsch geht mir langsam aber sicher auf den Geist", ist etwa in einem Forum des "Tagesanzeigers" aus Zürich zu lesen.

"Sind wir ehrlich: Die Leute regen sich auf, weil wir zu viele Deutsche im Land haben", hatte die junge Abgeordnete der konservativen Schweizer Volkspartei in der Fernsehdiskussion erklärt. Und sie hatte nachgesetzt: Das übe Druck aus "auf den Schweizer Arbeitsmarkt, auf unsere Schulen, die Infrastruktur, auf den öffentlichen Verkehr, auf die Straße, auf die Wohnungsmieten".

Die 35-jährige Abgeordnete, die seit 2007 im Nationalrat sitzt, warf der Regierung Versäumnisse vor. Schon 2009 hätte der Bundesrat die so genannte Ventilklausel anrufen sollen, mit der die Zuwanderung in die Schweiz begrenzt werden kann: "Seitdem haben wir mehrere Tausend Leute, und damit sind auch Deutsche gemeint". Aktuell hat die Schweizer Regierung die Kritik der EU auf sich gezogen, weil sie über diese Klausel den Zuzug von Menschen aus acht osteuropäischen EU-Ländern limitiert hatte.

Offene Deutsche fallen auf

Mit ihrer Polemik gegen Deutsche versuche Rickli eine vorhandene Stimmung parteipolitisch zu nutzen, sagte Matthias Estermann, Gründer des "Vereins für Deutsche in der Schweiz". "Die Menschen denken so, aber keiner traut sich, das offen zu sagen."

In der Relation zur Größe des Landes gebe es eine starke Zuwanderung, was Ängste schüre. Deutsche arbeiteten in der Schweiz in allen Bereichen, vom Gastgewerbe bis in hoch qualifizierte Tätigkeiten. "Mit unserer offenen Art sind wir auffällig. Dieses Extrovertierte mag der Schweizer nicht", ist seine Erfahrung.

Aktuell leben in der Schweiz mit ihren 7,9 Millionen Einwohnern rund 1,8 Millionen Ausländer. Das gab das Bundesamt für Statistik bekannt. Die Deutschen sind dabei mit 270.000 Personen die größte Gruppe hinter den Italienern (rund 290.000). Aus den grenznahen Gebieten in Baden-Württemberg reisen täglich Zehntausende Arbeitspendler ein. Viele arbeiten im Gastgewerbe, eine große Anzahl auch im höher qualifizierten Bereich. Zunehmend sind die Nachbarn aus dem Norden auch im Gesundheitssektor zu finden.

Quelle: n-tv.de, dpa

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