Politik

Ohne Rechtsbeistand Seselj lehnt Aussage ab

Der wegen Kriegsverbrechen vor dem UNO-Tribunal in Den Haag angeklagte Chef der serbischen Ultra-Nationalisten, Vojislav Seselj, hat es am Mittwoch abgelehnt, zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung zu nehmen. "Ich werde innerhalb 30 Tagen eine Klageerwiderung einreichen, wenn mir die Staatsanwaltschaft in der Zwischenzeit die Worte erklärt, mit denen ich nicht vertraut bin", sagte Seselj, der sich selbst verteidigen will.

Seselj lehnte ebenso wie sein Vertrauter und Mithäftling, der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic, einen Rechtsbeistand ab. Demonstrativ weigerte er sich aufzustehen, als Richter Wolfgang Schomburg den Verhandlungssaal betrat. Er bestand zudem darauf, dass die gesamte Anklageschrift verlesen wurde, was mehr als zwei Stunden dauerte. Zudem beschwerte er sich währenddessen über Übersetzungsfehler.

Auch warf er dem Gericht Folter vor, weil er auf dem Weg zum Gericht eine kugelsichere Weste habe tragen müssen. Die schwarzen Roben der Richter und Staatsanwälte erinnerten ihn an die Inquisition der katholischen Kirche, sagte Seselj.

Seselj wird beschuldigt, für gewaltsame Vertreibungen und andere Gräueltaten in Bosnien, Kroatien und Serbien in den Bürgerkriegen zwischen 1991 und 1993 verantwortlich gewesen zu sein. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe hatte Seselj schon zuvor als Fälschungen zurückgewiesen.

Die Anklageerhebung gegen Seselj war erst vor zwölf Tagen öffentlich gemacht worden. Der Beschuldigte "trägt individuelle Verantwortung für Verbrechen, die als Teil weit verbreiteter und systematischer Angriffe gegen kroatische, moslemische und andere nicht-serbische Zivilisten verübt wurden", heißt es darin. Ausgeführt worden seien die Taten von einer von Seselj gegründeten paramilitärischen Organisation. Seselj hat zwar eingeräumt, dass seine Partei Kämpfer in die Bürgerkriegsgebiete geschickt habe. Kriegsverbrechen hätten sich diese jedoch nicht schuldig gemacht.

Quelle: ntv.de