Politik
Gefährlicher Bahnsteig. Bei einer Neigung von mehr als 2,5 Promille gerät alles, was Rollen hat, in Fahrt.
Gefährlicher Bahnsteig. Bei einer Neigung von mehr als 2,5 Promille gerät alles, was Rollen hat, in Fahrt.(Foto: imago stock&people)
Mittwoch, 25. Mai 2016

Bericht bestätigt Stuttgart-21-Zweifler: Sind die Bahnsteige zu schräg?

Stuttgart 21 schafft es aus den Negativschlagzeilen einfach nicht heraus. Nun werden die Bahnsteige zum Thema. Einem Medienbericht zufolge soll die Neigung so stark sein, dass Kinderwagen ins Gleisbett rollen.

Kritiker sind von Anfang an skeptisch: Kann ein schräg geplanter Bahnhof wirklich sicher sein? Die Planer des Großprojektes Stuttgart 21 hatten kein Geheimnis darum gemacht, dass die Bahnsteige des neuen Bahnhofes auf einer Länge von 400 Metern einen Höhenunterschied von sechs Metern haben werden. Doch die Bahn machte gleichzeitig deutlich, sie könne den geneigten Bahnsteig für Reisende genauso sicher machen wie einen ebenerdigen Bahnsteig. Nun hat das ZDF-Magazin "Frontal 21" den Test gemacht. Das Ergebnis: Steige mit ähnlicher Neigung bringen Kinderwagen, Rollstühle und Koffer wie befürchtet gefährlich ins Rollen.

In Deutschland gibt es gemäß der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) hinsichtlich der Obergrenze für Bahnsteig-Neigungen eine Richtlinie - jedoch keine Vorschrift. Diese besagt, dass Bahnhöfe eine maximale Neigung von 2,5 Promille haben sollten. Beim neuen Stuttgarter Bahnhof entspräche das bei einer Bahnsteiglänge von 400 Metern einem Höhenunterschied von einem Meter. Nun sind es sechs Meter. Bislang hat sich die Bahn laut "Frontal 21" in Deutschland an die Richtlinie gehalten. Das Milliardenprojekt Stuttgart 21 ist bislang der einzige Großstadtbahnhof mit so einer extremen Neigung.

Die Bahn gab an, für Sicherheit sorgen zu können, indem zusätzlich zur Längsneigung noch eine Querneigung zur Bahnsteigmitte angelegt werde. Dadurch werde es keine Unfälle geben. Der Bahnhof Ingolstadt Nord hat so eine Querneigung und gleichzeitig auch streckenweise eine gleiche Längsneigung wie Stuttgart 21. Deswegen machte "Frontal 21" dort den Test: Ein Ingenieur testete mit seinen Kollegen, wie sicher so eine Längs- und Querneigung ist. Das Ergebnis des Praxistests: Bei jedem siebten Versuch rollte der Test-Kinderwagen, bestückt mit dem Gewicht eines Kindes, von selbst ins Gleis.

Zu dem Test in Ingolstadt Nord hat sich die Bahn bislang nicht geäußert. Das Eisenbahnbundesamt erklärte, nachdem das Amt die Baugenehmigung erteilt habe, sei die Bahn als Betreiber verantwortlich, die geforderte Sicherheit zu gewährleisten. Ob ihr das gelingt, werde die Aufsichtsbehörde kurz vor Inbetriebnahme überprüfen.

Quelle: n-tv.de

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