Politik

Skandal um Schweizer "Weltwoche" Sinti und Roma erstatten Anzeige

Die Schweiz diskutiert über das aktuelle Titelbild der "Weltwoche". Unter der Abbildung eines Kindes mit einer Waffe in der Hand steht "Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz". Das Blatt kann die Entrüstung nicht verstehen und verteidigt das Foto als Symbol für die "stoßende Praxis der Roma-Banden".

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Die konservative Schweizer Zeitung "Weltwoche" ist in die Kritik geraten. Grund dafür ist das aktuelle Titelbild des wöchentlich erscheinenden Blatts. Das Cover zeigt ein Roma-Kind, das mit einer Pistole in die Kamera zielt. Unterschrieben ist das Foto mit der Schlagzeile "Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz". Darunter ist zu lesen: "Familienbetriebe des Verbrechens". Es weist hin auf einen Artikel in dem Blatt, der sich mit angeblich zunehmender Bandenkriminalität von Roma-Banden in der Schweiz befasst.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erstattete Anzeige gegen die Verantwortlichen der Zeitung und will verhindern, dass die Ausgabe in Deutschland weiter verkauft wird. "Die Aufmachung und Darstellung in den dazugehörigen Artikeln kriminalisieren in volksverhetzender Weise die Volksgruppe der Sinti und Roma auch in Deutschland", so der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose. Er sieht in dem Titelblatt "rassistische Stereotypen im Stile der nationalsozialistischen Zuschreibungen gegenüber der Minderheit". Wie damals werde – durch den Begriff "Zigeunerclans" - der Eindruck einer "abstammungsbedingten Kriminalität" erzeugt und ein Generalverdacht geschürt.

Auch in der Schweiz gingen Anzeigen gegen die "Weltwoche" ein. In der ARD verurteilt auch der Schweizer Medienrechtler Peter Studer das Bild. Es überschreite eine Grenze. Studer glaubt, dass Klagen gegen das Blatt durchaus Erfolg haben könnten. Rechtliche Grundlage ist das Schweizer Anti-Rassismusgesetz, das Aufruf zu Hass und Diskriminierung unter Strafe stellt. "Das geht aus dieser Kombination auf der Frontseite möglicherweise hervor", so Studer.

In einem Videoblog antwortet der stellvertretende Chefredakteur der "Weltwoche" und Mitautor des Artikels, Philipp Gut, auf die Kritik. Er macht geltend, dass das Blatt ein "aktuelles, ernsthaftes Problem" aufgegriffen habe und der Artikel gut recherchiert und inhaltlich nicht strittig sei. Das Foto verteidigte er als Symbol für die "stoßende Praxis der Roma-Banden" und damit, dass diese "oft Kinder für ihre kriminellen Zwecke missbrauchen". Dies sei durch Polizeiberichte aus mehreren Kantonen belegt.

Es müsse doch möglich sein, "offen und ernsthaft über solche Probleme zu reden", so Gut weiter. "Viele haben den Artikel offenbar gar nicht gelesen. Der Chor der Entrüsteten übertönt das eigentliche Problem", beklagt er.

Quelle: ntv.de, jog

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