Politik

Unterbringung und Betreuung So viel kostet Deutschland ein Flüchtling

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Knapp 900.000 Flüchtlinge sind im Jahr 2015 nach Deutschland gekommen - überwiegend aus Syrien. In diesem Jahr werden weniger als 300.000 Menschen erwartet, die hierzulande Schutz suchen. Besonders die Städte ächzen unter den damit verbundenen Kosten.

Die Versorgung eines syrischen Flüchtlings in Deutschland kostet die Steuerzahler im Schnitt 11.800 Euro pro Jahr. Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag. Danach beinhalten die Kosten unter anderem die Aufwendungen für Unterkunft, die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, Schule, Sprachkurse und die Herrichtung von Unterkünften.

Nicht enthalten sind in der Berechnung die Kosten zur wirtschaftlichen Integration der Asylbewerber, wie zum Beispiel Weiterbildungskurse, sowie die Aufwendungen für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber.

Für die Betreuung von Flüchtlingen fordern die Städte mehr finanzielle Unterstützung von den Ländern. Vielerorts sei nur ein Bruchteil des Geldes aus der Integrationspauschale angekommen, die der Bund an die Länder weitergereicht habe, sagte die Präsidentin des Deutschen Städtetags, Eva Lohse, in Berlin.

Als Beispiel nannte die Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) ihre eigene Stadt: Hier sei lediglich die Hälfte der laufenden Kosten vom Land übernommen worden. Hallen bereitzustellen, um Flüchtlinge unterzubringen, habe besonders viel Geld gekostet. "Da ist nichts refinanziert worden", sagte Lohse. Auch in Bayern seien für kleinere Posten bei der Flüchtlingshilfe - etwa für Hausmeisterdienste, Verwaltung und die Organisation von Ehrenamtlichen - rund 350 Millionen Euro angefallen, sagte der Vizepräsident des Städtetags, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly.

Auf Deutschland hochgerechnet hätten Städte so allein für diese kleineren Aufgaben grob 2,3 Milliarden Euro schultern müssen. "Die Kosten, die erst richtig zu Buche schlagen werden, sind darin noch gar nicht enthalten", sagte Maly. Zusätzliche Kita-Plätze müssten geschaffen und Schulen erweitert werden.

Die Zahl der neu angekommenen Flüchtlinge wird nach Einschätzung des zuständigen Bundesamts in diesem Jahr deutlich unter 300.000 bleiben. Das gelte aber nur, wenn der EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei halte und Absprachen mit Griechenland und Italien verlässlich funktionierten, sagte der Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, im MDR. 2015 waren knapp 900.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommenen, überwiegend aus Syrien.

Quelle: ntv.de, awi/dpa

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