Politik

Kouchner plant Teheran-Reise Sohn befürchtet Aschtiani-Steinigung

99 Peitschenhiebe soll Sakine Mohammadi Aschtiani bereits erhalten haben. Doch ihr droht eine der grausamsten Arten zu sterben und das möglicherweise sehr bald.

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Die Italiener tragen ihren Protest auch auf die Straße.

(Foto: dpa)

Die Steinigung der im Iran zum Tode verurteilten Sakine Mohammadi Aschtiani steht womöglich unmittelbar bevor. Ihr Sohn Sajjad sagte in einer Telefonschaltung nach Paris, er fürchte, seine Mutter werde nach dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan hingerichtet, der gegen Ende der Woche vorbei ist. Dagegen sagte Italiens Außenminister Franco Frattini, die iranischen Behörden hätten noch keine Entscheidung gefällt.

Er habe seit Mitte August keinen Kontakt mehr mit seiner Mutter aufnehmen können, sagte Sajjad. Er habe aber gehört, dass sie bereits 99 Peitschenhiebe erhalten habe. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde Sakine Mohammadi Aschtiani wegen einer "unrechtmäßigen Beziehung" zu zwei Männern nach dem Tod ihres Ehemanns zum Tode verurteilt. Iranischen Angaben zufolge wurde die Frau im Jahr 2006 wegen Ehebruchs und Verwicklung in den "Mord" an ihrem Ehemann verurteilt.

Europa macht mobil

Im italienischen Radio sagte der italienische Außenminister Frattini nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa, der italienische Botschafter in Teheran habe sich am Samstag mit iranischen Behördenvertretern getroffen. Diese hätten versichert, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Zugleich lud er seinen iranischen Kollegen Manuschehr Mottaki nach Rom ein, um die Angelegenheit besprechen zu können.

Der Fall sorgte international für Empörung. Das in Straßburg tagende EU-Parlament drückte seine Unterstützung für die Iranerin aus, einige Abgeordneten trugen T-Shirts, auf denen ein Bild der 43-Jährigen und der Schriftzug "Rettet Sakine" gedruckt waren. Am Mittwoch will das Parlament eine Resolution zu ihren Gunsten verabschieden. EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos sprach angesichts der drohenden Steinigung von einer "unmenschlichen Praxis".

"Rückfall ins Mittelalter"

Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner sprach von "Barbarei" und kündigte an, gegebenenfalls persönlich nach Teheran reisen. Die Verurteilung der Iranerin sei "ein Rückfall ins Mittelalter", sagte Kouchner und fügte hinzu: "Wenn ich nach Teheran fahren muss, dann fahre ich nach Teheran." Er hatte zuvor bereits einen gemeinsamen Brief aller EU-Mitgliedsstaaten angeregt, um durch verstärkten Druck den Iran zum Einlenken zu bewegen.

In Frankreich hatte sich zuvor außerdem die Ehefrau von Staatschef Nicolas Sarkozy, Carla Bruni, öffentlich für die Iranerin eingesetzt. Daraufhin hatte die ultrakonservative iranische Zeitung "Kayhan" die Präsidentengattin eine "Prostituierte" genannt, die sterben solle. Auch namhafte Politiker, Schauspieler und Künstler, unter ihnen Mia Farrow und Milan Kundera, hatten in einem in Frankreich veröffentlichten Appell den Iran aufgefordert, von der Steinigung der Frau abzusehen.

Quelle: n-tv.de, AFP