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So viele Beschwerden wie noch nie Soldaten klagen über Missstände

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Beim Einsatz in Afghanistan.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Reform der Bundeswehr kommt bei der Truppe nicht gut an. Immer mehr Beschwerden erreichen den Wehrbeauftragten. Vieles dreht sich um Gehaltsfragen und andere finanzielle Belange. Insgesamt scheint ein Job bei der Truppe nicht attraktiv zu sein.

Immer mehr Bundeswehrsoldaten beschweren sich über die Zustände in der Truppe. Die meisten Beschwerden stünden im Zusammenhang mit der Bundeswehrreform, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Gemessen an der Zahl der Soldaten würden wohl in diesem Jahr so viele Beschwerden wie noch nie an den Wehrbeauftragten des Bundestags gehen. "Wir liegen jetzt ungefähr 20 Prozent über dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres", sagte der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus. Wenn er einrechne, dass die Zahl der Soldaten von etwa 200.000 im Vorjahr auf derzeit 185.000 gesunken sei, falle der Anstieg "noch erheblicher" aus.

Bereits im Jahresbericht 2012 war von "Unsicherheiten und Belastungen" die Rede, die die Bundeswehrreform mit sich gebracht habe.

Ungefähr zehn Prozent der Eingaben beziehen sich nach Angaben von Königshaus auf eine Problematik mit der Beihilfe-Abrechnung für Angehörige von Soldaten und ehemaligen Soldaten. Seit einiger Zeit bleiben sie auf Rechnungen von Ärzten, Apotheken oder Krankenhäusern sitzen und müssen wesentlich länger auf Erstattungen durch den Dienstherrn warten. Dem Bericht zufolge stehen die Wartezeiten im Zusammenhang mit der Bundeswehrreform.

Die Reform hat laut Königshaus in der Truppe zu großer Verunsicherung geführt. "Keiner wusste so richtig, wie es mit ihm weitergehen würde", sagte er der "SZ" mit Blick auf die Folgen der Abschaffung der Wehrpflicht, der Verkleinerung der Truppe und der Schließung von Kasernen. Der Wehrbeauftragte forderte, die Bundeswehr attraktiver zu machen, damit sie angesichts des demografischen Wandels mit anderen Arbeitgebern um junge Menschen konkurrieren könne.

"Stellen Sie sich mal eine Mutter vor, die in den Auslandseinsatz geht. Da ist das mindeste, eine Kinderbetreuung anzubieten", sagte Königshaus. "Das muss auch über das hinausgehen, was die Leute anderswo geboten bekommen." Damit "die Richtigen und die Guten" kämen, müsse die Bundeswehr etwas tun.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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