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Israel tötet syrische Soldaten Stein fürchtet das Schlimmste

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Israelische Panzer bei einer Übung nahe der syrischen Grenze.

(Foto: dpa)

Der Syrien-Konflikt droht immer mehr zu einem Flächenbrand zu werden. Israel bombardiert Ziele in Syrien, dabei sterben mindestens 15 syrische Soldaten. Die UN schalten sich ein, und der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Stein, ist äußerst besorgt. Die israelische Armee ist in Alarmbereitschaft.

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Ein Video zeigt den Angriff der Israelis auf den Norden von Damaskus.

(Foto: dpa)

Bei den israelischen Luftangriffen auf Ziele in Syrien sind nach Informationen der oppositionsnahen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zahlreiche Soldaten getötet worden. "Mindestens 15 Soldaten wurden getötet, dutzende werden vermisst", sagte der Leiter der Londoner Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahm an. Die syrischen Behörden gaben bislang keine Zahlen zu Toten und Verletzten bekannt.

Ein hoher israelischer Verantwortlicher hatte am Sonntag gesagt, bei den beiden Attacken binnen 48 Stunden seien Waffenarsenale bombardiert worden, die für die israelfeindliche Hisbollah-Miliz im Libanon bestimmt gewesen seien. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden drei Anlagen bombardiert. Darin würden sich zu normalen Zeiten 150 syrische Soldaten aufhalten. "Es ist nicht klar, ob sie alle zur Zeit der Angriffe dort waren", sagte Rahman.

Angst vor Eskalation wächst

Die israelischen Luftangriffe lassen die Sorge vor einer Eskalation des Konfliktes wachsen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten zu äußerster Zurückhaltung auf, nachdem die syrische Regierung Israel gewarnt hatte, durch die Bombardements die Tür "zu allen Möglichkeiten weit geöffnet" zu haben.

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Die Luftangriffe zerstörten Gebäude in Al-Hama.

(Foto: dpa)

Ban forderte die"Anerkennung der nationalen Souveränität und t erritorialen Integrität aller Länder in der Region". Am Sonntag telefonierte Ban zudem mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi telefoniert. Die Arabische Liga forderte ihrerseits den UN-Sicherheitsrat zum Handeln auf.

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, fürchtet dramatische Folgen: Niemand könne voraussagen, ob die Regierung in Damaskus solche Angriffe unbeantwortet lasse oder die Hisbollah ihr Waffenarsenal jetzt mithilfe des Irans weiter aufstocke und auch einsetze, sagte er dem "Tagesspiegel". "Noch funktioniert die gegenseitige Abschreckung. Noch hat die Schiitenmiliz kein Interesse, sich auf einen Krieg mit Israel einzulassen. " Allerdings sei nicht auszuschließen, dass die Lage eskaliere und außer Kontrolle gerate.

Dies könnte dann auch verheerende Konsequenzen für die Region haben."Je länger der Konflikt dauert, desto instabiler wird die Lage in der gesamten Region", so Stein. Wenn Syrien auseinanderfalle, würden vor allem radikale islamistische Kräfte profitieren.

Das Außenministerium in Damaskus schickte einen Brandbrief an den UN-Sicherheitsrat. In dem Brief an den Weltsicherheitsrat beschuldigte das syrische Außenministerium Israel, mit "terroristischen Gruppen" in Syrien wie der islamistischen Al-Nusra-Front zusammenzuarbeiten. Das syrische Kabinett erklärte nach einer Sondersitzung am Sonntag, Syrien habe das Recht und die Pflicht, sein Land und Volk "mit allen Mitteln" vor Angriffen zu schützen.

Israelische Armee in Alarmbereitschaft

In Israel herrscht nach dem Luftangriff im syrischen Nachbarland aus Sorge vor einer Reaktion erhöhte Alarmbereitschaft. Die Armeeeinheiten entlang der Grenze seien zu größter Wachsamkeit aufgerufen, meldete der israelische Rundfunk. Der Luftraum im Norden Israels ist bis Donnerstag für zivile Flugzeuge gesperrt. Zwei Batterien des Luftabwehrsystems Iron Dome (Eisenkuppel) wurden im nördlichen Landesteil in Position gebracht.

Israelische Militärs rechnen jedoch dem Rundfunk zufolge nicht mit einem syrischen Gegenangriff, weil das Assad-Regime zu sehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt sei. Dennoch stelle die Armee sich auf eine mögliche Reaktion der libanesischen Hisbollah und sogar des Irans ein.

Die israelische Zeitung "Jediot Achronot" berichtet, Israel habe im Bemühen um eine Beruhigung der Lage eine "geheime Botschaft" an Assad übermittelt. Israel habe demnach keine Absicht, sich in den Bürgerkrieg in Syrien einzumischen. Die regierungsnahe Zeitung "Israel Hajom" schreibt, in den kommenden Tagen rechne man nicht mit neuen israelischen Angriffen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu halte sich in China auf und die Erfahrung lehre, "dass man keinen Krieg beginnt, wenn der Regierungschef abwesend ist". Gegenwärtig befürchte man vor allem mögliche Anschläge auf israelische Vertretungen im Ausland.

Das syrische Fernsehen berichtete am Montag, Damaskus habe es palästinensischen Gruppierungen erlaubt, Israel von den Golanhöhen aus anzugreifen. Israel hatte das Gebiet 1967 während des Sechstagekriegs erobert. Die Grenze wurde von der syrischen Armee streng überwacht und galt in Israel bislang als relativ sicher.

Druck auf Obama wächst

In den USA appellierten mehrere Abgeordnete an Präsident Barack Obama, die syrischen Rebellen im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad mit Geheimdienstinformationen und speziellem Training zu unterstützen. In Kooperation mit den Staaten der Arabischen Liga könne dies "sehr dabei helfen, das Regime schneller zu stürzen", sagte der republikanische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Mike Rogers, im TV-Kanal CBS. Auch der Demokrat Dutch Ruppersberger sprach sich für eine enge Abstimmung mit der Arabischen Liga und anderen Staaten der Region aus.

Quelle: n-tv.de, ghö/AFP/dpa

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