Politik

Bundeswehr untersucht G36 Sturmgewehr schießt mangelhaft

Das Sturmgewehr G36 der Bundeswehr galt bisher als leicht und zuverlässig. Und als treffsicher - doch daran kommen Zweifel auf. Das Ministerium lässt das G36 prüfen, weil sie heiß geschossen nicht mehr genau trifft. Obwohl die Soldaten die Waffe zwischendurch runterkühlen sollen, hält die Bundeswehr sie weiter für voll einsatztauglich.

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Das G36 wird im Schnellfeuer heiß.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Die Bundeswehr geht Zweifeln an der Treffsicherheit ihres Sturmgewehrs G36 nach, das bereits seit 16 Jahren im Einsatz ist. Bei internen Untersuchungen wurde festgestellt, dass bei Schnellfeuer nach 150 Schuss Ziele in einer Entfernung über 200 Meter nicht mehr zuverlässig getroffen werden können.

Wenn das Gewehr heiß geschossen ist, zeige sich "eine Veränderung des mittleren Treffpunkts und eine Aufweitung des Streukreises". Das Einsatzführungskommando informierte die Bundeswehr-Kontingente in einem vertraulichen Schreiben über die Probleme. Nach dem Verschießen von Patronen im schnellen Einzelfeuer oder in kurzen Feuerstößen müsse "bei starker Rohrerhitzung das Rohr auf Handwärme abkühlen, bevor weitergeschossen werden darf".

Die Waffe sei für anhaltendes Dauerfeuer nie vorgesehen gewesen, hieß es in dem Bericht weiter. Abschließend schreibt das Einsatzführungskommando über den Umgang mit dem G36: "Ist in einer taktischen Situation das Abkühlen des Gewehrs nicht möglich, und muss weitergeschossen werden, ist zu berücksichtigen, dass bei weiterem Feuerkampf Waffen komplett ausfallen können und/oder dauerhaft beschädigt werden."

Relevant für den Einsatz

In einem Papier der Rüstungsabteilung des Verteidigungsministeriums, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, ist von einem erheblichen Mangel mit erheblicher Einsatzrelevanz die Rede. Die Streitkräfteführung will trotzdem an dem Sturmgewehr festhalten. Eine weitere Untersuchung soll bis Ende Mai Klarheit bringen.

Die Bundeswehr hatte 1996 rund 170.000 der besonders leichten Schnellfeuergewehre bei Heckler & Koch gekauft. Heute werden noch 158.000 genutzt, davon 6000 in den Einsätzen in Afghanistan, im Kosovo, am Horn von Afrika und vor der libanesischen Küste.

Beanstandungen aus dem Einsatz liegen nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht vor. Unregelmäßigen bei der Treffsicherheit wurden aber in Untersuchungen der Wehrtechnischen Dienststelle und des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe festgestellt.

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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