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Flagge im Zentrum gehisst Taliban erobern große Teile von Kundus

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Mehrmals versuchten Taliban-Kämpfer (Bild) bereits, Kundus einzunehmen.

(Foto: AP)

Offenbar ist die afghanische Provinzhauptstadt Kundus in der Gewalt der Taliban. Einem Reuters-Reporter zufolge hissen sie ihre Flagge im Stadtzentrum. Laut der Polizei ist die Hälfte der Stadt in der Gewalt der Miliz. Die Bewohner verschanzen sich in ihren Häusern.

Die radikalislamische Taliban-Miliz hat offenkundig die nordafghanische Stadt Kundus erobert. Taliban-Kämpfer hissten ihre Flagge auf dem zentralen Platz der Stadt, berichtete ein Reuters-Korrespondent. "Die Taliban haben ihre weiße Flagge im Standzentrum gehisst", sagte bestätigte der Vizegouverneur der Provinz Kundus. Damit sind die Taliban bis auf einige hundert Meter an den Gouverneurspalast vorgedrungen.

Nach Polizeiangaben halten die islamistischen Milizen die Hälfte der Stadt besetzt. "Schwere Kämpfe dauern in Kundus an", sagte ein Polizeisprecher der Provinz. "Die Hälfte der Stadt wird von den Taliban kontrolliert, die andere Hälfte von Regierungstruppen." Regierungseinheiten und Taliban lieferten sich etwa 500 Meter entfernt vom Sitz des Gouverneurs heftige Kämpfe, sagte dessen Stellvertreter nach seiner Flucht zum Flughafen.

Bereits zuvor hatten sie mehrere Regierungsgebäude eingenommen. "Bislang ist es ihnen gelungen, das Provinzratsgebäude in Kundus einzunehmen, was jetzt ihre Front ist", sagte Provinzratsmitglied Ghulam Rabbani Rabbani. "Sie haben auch das öffentliche Krankenhaus mit seinen 200 Betten eingenommen und dringen in Richtung der Provinz-Universität vor." Rund 120 Sondereinsatzkräfte seien auf dem Weg in die Stadt, um sich dem Kampf gegen die Taliban anzuschließen.

Ein Regierungsmitarbeiter der 300.000-Einwohner-Stadt, der anonym bleiben wollte, sagte: "Einige Polizeiposten in der Stadt sind ebenfalls eingenommen worden. Taliban-Kämpfer mit ihren Waffen sind überall in der Stadt. Viele Menschen fliehen in Richtung des Flughafens, der etwas sicherer ist." Nach Angaben der Polizei hatten die Aufständischen die Stadt von drei Seiten angegriffen.

Menschen verschanzen sich

Die Bewohner der Stadt verschanzten sich in ihren Häusern. Dazu hatten die Taliban selbst aufgerufen. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid teilte über Twitter mit, in dem eingenommenen Krankenhaus suchten Taliban-Kämpfer nach "verwundeten feindlichen Soldaten". Einige Polizisten seien gefangengenommen worden. Die Taliban hätten Fahrzeuge und Waffen erobert und setzten ihren Vormarsch fort.

Es war bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass die Taliban versuchten, Teile von Kundus zu erobern. Im Juni hatten die afghanischen Streitkräfte einen Angriff abgewehrt. Der Einmarsch in eine Provinzhauptstadt wäre für die Islamisten ein Meilenstein in ihren seit fast 14 Jahren anhaltenden Kämpfen.

Die Bundeswehr betrieb in Kundus bis 2013 ein großes Feldlager. Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Der Nato-Kampfeinsatz endete im Dezember 2014. Seither sind deutlich weniger ausländische Soldaten im Land, deren Auftrag die Ausbildung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte ist.

Quelle: n-tv.de, mli/rts/AFP/dpa

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