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Beute aus Kämpfen in Afghanistan Taliban haben deutsche Waffen

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Vor der deutschen Botschaft in Kabul.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Afghanistan müssen Bundeswehrsoldaten immer öfter gegen Taliban kämpfen, die mit deutschen Waffen ausgerüstet sind. Wie die Waffen in die Hand der Aufständischen gelangen konnten, ist unklar. Hintergrund ist offenbar mangelhafte Exportkontrolle. Neben Tschechien ist Deutschland das einzige EU-Land, aus dem Waffen in Afghanistan auftauchen.

Die Bundeswehr wird von den Taliban in Afghanistan auch mit deutschen Waffen angegriffen. Wie die Zeitung "Express" unter Berufung auf das Verteidigungsministerium berichtet, stellt die internationale Schutztruppe Isaf bei Kämpfen mit Aufständischen regelmäßig Waffen, Sprengstoff und Munition aus deutscher Produktion sicher. Nach einer seit 2009 geführten Aufstellung des Ministeriums habe es sich dabei unter anderem um Maschinenpistolen, Maschinengewehre, einen Mörser sowie ein G3-Sturmgewehr gehandelt. Deutschland sei neben Tschechien das einzige EU-Land, aus dem Waffen in Afghanistan erbeutet worden seien. Unklar ist hingegen, wie die Waffen in die Hand der Aufständischen gelangen konnten.

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Soldaten der afghanischen Armee stehen nach Essen an.

(Foto: AP)

Die Linksfraktion im Bundestag, die zu dem Thema eine Anfrage an das Verteidigungsministerium gestellt hatte, beklagte mangelnde Kontrolle bei deutschen Waffenexporten. "Es wird deutlich, dass die deutsche Kontrolle nicht funktioniert. Wenn die Waffen einmal exportiert sind, werden sie in alle Kriege dieser Welt weitergereicht - bis dahin, dass heute deutsche Soldaten gegen deutsche Waffen kämpfen müssen", sagte der Linke-Rüstungsexperte und Vize-Parteichef Jan van Aken der Zeitung.

Länder mit vergleichbarer Rüstungsindustrie wie Frankreich und Großbritannien scheinen kein so großes Kontrollproblem zu haben, denn französische oder britische Waffen wurden nicht bei den Taliban gefunden.

Angriff in gestohlenen Uniformen

Aber nicht nur Waffen werden erbeutet, sondern auch Armeeuniformen. So haben im Osten Afghanistans zwei Männer in Armeeuniformen einen Soldaten der Isaf getötet. Die Angreifer hätten das Feuer auf eine Gruppe von Isaf-Soldaten eröffnet und einen von ihnen getötet, teilte die Nato mit. Details wurden nicht genannt, wie üblich machte das Militärbündnis auch keine Angaben zur Nationalität des getöteten Soldaten.

Immer häufiger attackieren afghanische Soldaten - oder Angreifer, die sich solche Uniformen besorgt haben - Isaf-Soldaten. Die radikalislamischen Taliban erklären häufig, die afghanische Armee infiltriert zu haben und hinter den Angriffen zu stehen. Oft gibt es aber auch etwa wegen kultureller Gegensätze Streit zwischen westlichen und afghanischen Soldaten, der dann eskaliert.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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