Politik

Weniger zivile Opfer in Afghanistan Taliban töten verstärkt Beamte

3a0y3942.jpg8434009034976964150.jpg

NATO-Kampftruppen sollen bis 2014 durch afghanische Kräfte ersetzt werden.

(Foto: dpa)

Die Zahl der bei Angriffen in Afghanistan getöteten Zivilisten geht nach Angaben der UNO erstmals seit sechs Jahren zurück. Die schlechte Nachricht: Die Taliban töten gezielt immer mehr Mitarbeiter der afghanischen Regierung.

Seit 2007 zählen die Vereinten Nationen die zivilen Opfer des Krieges in Afghanistan. Nie kamen seitdem so wenige Zivilisten zu Schaden wie im vergangenen Jahr. Dem Bericht der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) zufolge wurden 2012 in dem Konflikt am Hindukusch 2754 Zivilisten getötet, zwölf Prozent weniger als 2011. Die UNO führte den Rückgang der Zahl ziviler Opfer auf weniger Selbstmordanschläge und eine geringere Zahl von NATO-Luftangriffen zurück. UNAMA-Chef Jan Kubis bezeichnete den Rückgang der zivilen Opfer als "sehr willkommen". Die "menschlichen Kosten" des Konflikts blieben jedoch "unannehmbar".

Für 81 Prozent der Tötungen von Zivilisten macht der UNAMA-Jahresbericht die Aufständischen verantwortlich, im vergangenen Jahr sei die Bedrohung für Zivilisten durch Milizen noch gewachsen. Das gelte besonders für den Norden und Nordosten Afghanistans, dem Verantwortungsbereich der Bundeswehr.

Taliban bedrohen afghanische Regierungsangestellte

Zugleich ging die Zahl der Attentate auf afghanische Regierungsangestellte steil nach oben. Die Anschläge auf afghanische Regierungsangestellte haben sich nach UN-Angaben fast verachtfacht. In ihrem Bericht bezeichnete es die UN-Mission als "besonders Besorgnis erregend", dass die von Taliban angeführten Aufständischen es gezielt auf weibliche Behördenmitarbeiter abgesehen hätten. Dies zeige sich beispielsweise in der Tötung der Leiterin der Frauenbehörde der Provinz Laghman im vergangenen Dezember und deren stellvertretender Leiterin im Juli.

Um 20 Prozent zugenommen habe im vergangenen Jahr auch die Zahl der getöteten und verletzten Frauen und Mädchen, hieß es im Jahresbericht 2012 von Unama zu zivilen Opfern im Konflikt in Afghanistan. 301 Frauen und Mädchen seien getötet, 563 verletzt worden. Die meisten davon seien bei Alltagstätigkeiten zum Opfer von Gewalt geworden.

Bei einem NATO-Angriff im Osten Afghanistans waren vergangene Woche Berichten zufolge mindestens zehn Zivilisten getötet worden, darunter fünf Kinder und vier Frauen. Afghanistans Präsident Hamid Karsai untersagte es daraufhin der afghanischen Armee am Samstag, Luftangriffe der NATO anzufordern. Die USA und ihre NATO-Verbündeten haben derzeit etwa 100.000 Soldaten in Afghanistan stationiert. Kampftruppen sollen bis Ende 2014 weitgehend abgezogen und nach und nach durch afghanische Kräfte ersetzt werden.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP