Politik

Nitrofen-Skandal Tausende Hennen sollen sterben

Als Folge des Nitrofen-Skandals müssen nun zehntausende Tiere sterben. Allein in Mecklenburg-Vorpommern werden mehrere zehntausend Legehennen geschlachtet, nachdem bei Tests das Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen nachgewiesen wurde.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden in sechs auf die Krebs erregende Substanz untersuchten Proben die Grenzwerte um das drei bis 18-fache übertroffen, hieß es aus dem Schweriner Landwirtschaftsministerium. Betroffen seien 63.000 Legehennen von Biohöfen, sagte Jürgen Buchwald, Leiter der Abteilung für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Ministeriums.

Skandal weitet sich aus

Nach Darstellung des niedersächsischen Agrarministeriums haben auch Fleisch und Milch produzierende Öko-Betriebe verseuchtes Futtermittel erhalten. Betroffen sind möglicherweise auch Rind- und Schweinefleisch. Dies hätten die Untersuchungen der von der niedersächsischen Futtermittelfirma GS agri belieferten Betriebe ergeben. Ein Sprecher schloss nicht aus, "dass sehr große Mengen an Verbraucher gelangt sind".

Handel zieht Konsequenzen

Unterdessen nahmen große Handelsketten in ganz Deutschland Eier und Geflügelprodukte aus ökologischem Anbau vorsorglich aus ihren Regalen. Den Handel mit bestimmten Bio-Lebensmitteln stellten unter anderem Edeka, Marktkauf, Metro, Real, Extra, Kaufhof, Karstadt, Penny sowie die Ketten minimal, HL und toom ein.

Quelle weiter unbekannt

Weiterhin unklar ist, wie das Nitrofen in das Futtermittel geriet. Beim Erzeugerbetrieb in Brandenburg war das Getreide noch in Ordnung gewesen, wie der Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, Hanns-Dieter Rosinke, erklärte. Es bestehe der Verdacht, dass die Verseuchung auf illegale Getreide-Zukäufe in Drittländern zurück gehe. So sei man bei einem Lieferanten in Mecklenburg-Vorpommern auf 60 Tonnen Getreide gestoßen, "bei denen keiner weiß, wo sie herkommen".

GS agri dementiert "wissentliche" Lieferungen

Der Futtermittellieferant GS agri bestritt unterdessen, Biolandwirte trotz nachgewiesener Nitrofen-Belastung weiter beliefert zu haben. "Zu keinem Zeitpunkt" sei mit Nitrofen belastetetes Tierfutter "wissentlich " an Abnehmer geliefert worden, sagte Geschäftsführer Paul Römann. Nach einem ersten Nitrofen-Nachweis in Biofutter am 11. März 2002 seien sämtliche Proben untersucht worden. Betroffene Ware sei in den Lagern gesperrt oder zurückgeholt worden.

Sondersitzung des Bundestagsagrarausschusses

Der Landwirtschaftsausschuss des Bundestages wird wegen des Nitrofen-Skandals am Donnerstag zu einer Sondersitzung in Berlin zusammenkommen. Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) habe einen Bericht angekündigt, sagte der Sprecher des Bundestages. Die Sondersitzung war von den Fraktionen von SPD, Union, Grünen und FDP beantragt worden.

Druck auf Union

Vor dem Hintergrund des Ökolebensmittel-Skandals forderte der Grünen-Vorsitzende Fritz Kuhn die Unions-Länder auf, am Freitag im Bundesrat für das rot-grüne Verbraucherinformationsgesetz zu stimmen. "Alles andere wäre angesichts der aktuellen Entwicklung eine kalte Abfuhr an die berechtigten Interessen der Verbraucher", sagte Kuhn in Berlin. Der Nitrofen-Skandal belege deutlich, dass die Bürger umfassende Informationen über Produkte und Dienstleistungen benötigten.

Quelle: ntv.de