Politik

"Freiheit für Assange!" Tausende weltweit auf der Straße

Spain_WikiLeaks_JEM102.jpg6429762564497565391.jpg

(Foto: AP)

Die Festnahme des Wikileaks-Gründers Julian Assange sei eine Verschwörung, um die Enthüllungsplattform mundtot zu machen, sind sich Wikileaks-Unterstützer sicher. In den Niederlanden wird ein weiterer Wikileaks-Sympathisant verhaftet. Erstmals nimmt US-Präsident Obama Stellung. Die Veröffentlichung von US-Depeschen seien "bedauerliche Taten".

Tausende Menschen haben in mehreren Ländern für die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange demonstriert. Die Festnahme des 39-Jährigen in London sei eine Verschwörung, um die Enthüllungsplattform mundtot zu machen, erklärten die Veranstalter einer Demonstration vor der britischen Botschaft in Madrid.

Dort und in anderen spanischen Städten wie Barcelona, Valencia und Sevilla gingen am Samstagabend Hunderte Wikileaks-Unterstützer auf die Straße. Sie skandierten "Freiheit für Assange!" und forderten, das Recht auf Informationsfreiheit zu achten. Ähnliche Demonstrationen gab es in Assanges Heimat Australien sowie in mehreren Städten in Lateinamerika.

2010-12-11T191247Z_01_PDH104_RTRMDNP_3_WIKILEAKS.JPG4752183487193205222.jpg

(Foto: REUTERS)

Der Kopf der Enthüllungsplattform hatte sich am vergangenen Dienstag in London der Polizei gestellt und war festgenommen worden, nachdem Schweden ihn unter dem Vorwurf sexueller Vergehen mit EU- weitem Haftbefehl gesucht hatte.

Erneute Festnahme

Derweil wurde in den Niederlanden ein weiterer Wikileaks- Sympathisant festgenommen. Dem 19-Jährigen mit dem Online-Spitznamen "Awinee" werde vorgeworfen, einen Angriff auf die Website der Staatsanwaltschaft in Den Haag organisiert zu haben, bestätigte die Polizei. Damit wollte er vermutlich Rache nehmen für die kürzliche Festnahme eines 16-jährigen Holländers, der an Cyberattacken auf Mastercard und Visa beteiligt gewesen sein soll.

Überraschende Unterstützung erhielt Wikileaks am Wochenende aus Frankreich und Norwegen. Die linksliberale Pariser Zeitung "Libération" erklärte ihren Lesern, sie werde sich im Namen der Informationsfreiheit als "Internet-Spiegel" für das Wikileaks-Archiv zur Verfügung stellen. Auch die norwegische Zeitung "Dagsvisen" reihte sich in den Unterstützerkreis ein. Sie bietet ebenfalls ein Abbild der Wikileaks-Website an.

Obama bedauert Enthüllungen

US-Präsident Barack Obama kommentierte erstmals in einer persönlichen Stellungnahme die Enthüllungen von Wikileaks. In Gesprächen mit seinem mexikanischen Kollegen Felipe Calderón und dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Obama die Veröffentlichung von US-Depeschen als "bedauerliche Taten", teilte das Weiße Haus mit.

Obama und Erdogan seien sich einig gewesen, dass die Enthüllungen keinen Einfluss auf die bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Ankara haben würden. Ähnlich sei Obamas Gespräch mit Calderón verlaufen, teilte das Weiße Haus mit. Beide Telefonate wurden demnach nicht wegen Wikileaks geführt. Es habe sich um einen Austausch über andere politische Fragen gehandelt; Obama habe Calderón zu Mexikos Geschick bei der Ausrichtung der UN-Klimakonferenz von Cancún gratuliert.

Operationsbasis Barcelona

Die Veröffentlichung von US-Diplomatendepeschen, die Wikileaks zugespielt wurden, ging auch am Wochenende weiter. So berichtete die Zeitung "El País" unter Berufung auf diese Papiere, dass die USA die spanische Region Katalonien mit ihrer Hauptstadt Barcelona für eine der wichtigsten Operationsbasen radikaler Islamisten im Mittelmeerraum halten. Aus diesem Grund betrieben die USA seit zwei Jahren ein großes Spionagezentrum in ihrem Konsulat in Barcelona.

Den Vatikan sehen die USA laut Wikileaks als ein konservatives und "veraltetes Machtgefüge" mit einem schlechten internen Kommunikationssystem. Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone sei ein Ja-Sager und spreche "nur italienisch", Pressechef Federico Lombardi hingegen besitze zwar als einziger einen Blackberry, habe aber dafür keinen direkten Draht zu Papst Benedikt XVI., zitierte der Mailänder "Corriere della Sera" aus den US-Dokumenten.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.