Politik

Viele offene Fragen in Limburg Tebartz-van Elst, ein Sündenbock?

Verantwortungslosigkeit, Verschwendung, Betrug, Lügen: Die Liste der Vorwürfe gegen Bischof Tebartz-van Elst ist lang. Nun auch noch ein Strafbefehl. Auch wenn ein Rücktritt überfällig ist, müssen noch viele Fragen gestellt werden.

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Der Bischof hat den Kontakt zu seinen Gläubigen verloren.

(Foto: dpa)

Man kann die "Buh"-Rufe im Bistum Limburg in diesen Tagen förmlich hören. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat es derzeit nicht leicht. Nicht nur, dass er wegen des Umbaus des Diözesanen Zentrums im Kreuzfeuer der Kritik steht - der Geistliche muss nun auch mit einer Verurteilung rechnen. Die Staatsanwaltschaft in Hamburg hat einen Strafbefehl wegen zweifacher falscher eidesstattlicher Versicherung beantragt.

Rücktrittsforderungen drangen schon vor dieser Nachricht des Staatsanwalts an die Öffentlichkeit. "Krank" sei er oder ein Betrüger, hieß es aus dem Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls in Limburg. Tebartz-van Elst solle seinen Amtsverzicht gegenüber dem Papst erklären, notfalls solle der Pontifex selbst ihn des Amtes entheben. Solche Stimmen - und vor allem der Mangel an öffentlichen Gegenstimmen - zeigen: Zufrieden sind die Gläubigen mit ihrem Hirten nicht.

Man sollte es sich aber nicht zu leicht machen. Es gibt viele Fragen, die gestellt und beantwortet werden müssen. Mit einem Rücktritt des Bischofs ist noch nicht alles getan. Freilich, als Oberhaupt im Bistum trägt Tebartz-van Elst eine Verantwortung auf seinen Schultern, der er sich nicht mehr entziehen kann. Das betont der Geistliche auch selbst.

Mit einem Rücktritt ist das Problem nicht gelöst

Doch: Wie kann es sein, dass ein Projekt finanziell so aus dem Ruder läuft, und es offenbar niemand bemerkt? Auch in einem Bistum gibt es Verwaltungsgremien und Bauplaner -  Experten, die solche Vorhaben kritisch beäugen und begleiten sollen. Wieso hat niemand gemerkt, dass hier etwas gewaltig schiefläuft? Eine Kostensteigerung von 5,5 auf 31 Millionen Euro lässt sich nicht einfach mit einem prunksüchtigen Bischof erklären.

Zudem war es nicht Tebartz-van Elst, der den Neubau in die Wege leitete. Schon unter seinem Vorgänger wurden die Renovierungsarbeiten beschlossen, mit einem weit geringeren Budget freilich. Offen bleibt bis zu einer eingehenderen Prüfung, mit wie vielen Sonderwünschen der amtierende Bischof den Bau möglicherweise hat aufstocken lassen, wie es ihm Mitarbeiter und der Architekt des Baus vorwerfen. Bislang stehen die Vorwürfe zwar im Raum, sind von Außenstehenden aber schwer zu prüfen.    

Und auch wenn es immer wieder so dargestellt wird, der Neubau ist kein Bischofspalast. Wohn- und Büroräume des Bischofs sind nur ein Teil des "Diözesanen Zentrums", auch Begegnungs- und Konferenzräume sind dort untergebracht. Natürlich, auch hier muss gefragt werden: Wie viel Luxus muss - und darf - sein? Und auch, ob der Bischof, der direkt neben dem Limburger Dom residiert, noch eine eigene neue Privatkapelle in dieser Größe benötigt, sollte zumindest hinterfragt werden.

Es ist zu einfach, dem Ordinarius pauschal alles in die Schuhe zu schieben. In Limburg liegt noch mehr im Argen. Gleichwohl hat sich Tebartz-van Elst nicht als besonders klug im Krisen- und Öffentlichkeitsmanagement erwiesen. Und er hat auch Fehler gemacht, das Maß verloren. Darum, und vor allem durch den nun beantragten Strafbefehl, ist ein Rücktritt des Bischofs überfällig. Sein Amtsverzicht wäre ein deutliches und wichtiges Signal. Aber nur der Anfang eines Prozesses, der Klarheit in die Sache bringen muss.

Quelle: n-tv.de

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