Politik

Nach Raser-Urteil Tempolimit soll bremsen

Nach dem Urteilsspruch gegen den Karlsruher Autobahnraser haben sich führende Politiker der Grünen sowie Verkehrs- und Umweltverbände für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. Zugleich fordern sie härtere Strafen gegen Verkehrs-Rowdies.

Der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Reinhard Loske, sagte der Berliner Zeitung: "Das Vernünftigste wäre, wir würden auf deutschen Autobahnen ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern einführen. " Unterstützt wurde Loske vom Grünen-Verkehrsexperten Albert Schmidt: "Ein solches Tempolimit wäre sehr hilfreich und würde den Verkehr sicherer und fließender machen."

Ähnlich äußerte sich der Bundesgeschäftsführer des Verkehrsclubs Deutschland, René Waßmer: "Deutschland ist immer noch das einzige Land weltweit, das keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen kennt. Bei einem generellen Tempolimit von 120 Stundenkilometern wäre der tödliche Unfall auf der A 5 bei Karlsruhe nicht passiert." Eine Untersuchung der Europäischen Union zeige, dass die Absenkung der Durchschnittsgeschwindigkeit um nur einen Kilometer pro Stunde die Zahl der Unfälle mit Personenschäden um zwei Prozent senke.

Der Verkehrsexperte des BUND, Tilmann Heuser, verwies darauf, dass ein Tempolimit zugleich zu einer Klima- und Lärmentlastung und zum Abbau von Staus führen würde. "Die viel zu teure Entwicklung immer schnellerer Autos muss ein Ende haben", sagte er. Gäbe es ein Tempolimit, könnte sich die Autoindustrie auf die Entwicklung von Fahrzeugen mit einem geringen Kraftstoffverbrauch konzentrieren.

Nach Angaben der Deutschen Interessengemeinschaft für Verkehrsunfallopfer wurden zwischen 1947 und dem Jahr 2002 mehr als 646.000 Menschen in Deutschland bei Verkehrsunfällen getötet und fast 24 Millionen verletzt. "Angesichts der Tatsache, dass null Promille und ein Tempolimit bisher vom Bundesverkehrsministerium abgelehnt wurden, macht es sich mitschuldig an weiteren schweren Verkehrsunfällen", kritisierte die Vorsitzende des Verbandes, Angelika Oidtmann.

Hintergrund der Debatte ist die am Mittwoch verhängte eineinhalbjährige Haftstrafe gegen einen Test-Ingenieur von Daimler-Chrysler. Das Karlsruher Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass der Testfahrer im Juli 2003 auf der Autobahn A5 mit 230 bis 250 Kilometern pro Stunde so dicht auf das Auto einer 21-Jährigen aufgefahren war, dass diese vor Schreck die Kontrolle über ihren Wagen verlor und gegen einen Baum prallte. Die Frau und ihre zweijährige Tochter starben noch an der Unfallstelle.

Quelle: ntv.de