Politik

Leichenhallen auf Lesbos sind voll Tote Flüchtlinge lagern in Kühlcontainern

Hunderte Flüchtlinge kamen allein am Wochenende über die Ägäis nach Europa. Viele überleben die Überfahrt nicht - doch wo soll man die Leichen unterbringen, wenn die Hallen voll sind? Derweil sind auf der Balkanroute weiter Tausende Menschen unterwegs.

Nach dem Tod Dutzender Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos kommt es zu makaberen Lösungen: Weil die Leichenhallen überfüllt sind, sollen die Körper Ertrunkener nun in Kühlcontainern aufbewahrt werden. "Es gibt in den Leichenhallen und im Friedhof keinen Raum mehr", sagte ein Bischof im griechischen Fernsehen.

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Viele Flüchtlinge wollen nach Deutschland - hier erreichen sie Wegscheid an der Grenze zu Österreich.

(Foto: dpa)

Außerdem müsse der Friedhof der Insel erweitert werden, fügte er an. Nur so könnten die Opfer der Überfahrt aus der Türkei nach Lesbos beerdigt werden. Allein in den vergangenen vier Tagen waren vor Lesbos 43 Menschen in der Ägäis ums Leben gekommen.

Am Wochenende wurden mehr als 1400 Migranten aus den Gewässern der Ägäis gerettet. Freiwillige Helfer, Einwohner und Beamte der griechischen Küstenwache beteiligten sich an den Hilfseinsätzen. Nach UN-Angaben flohen im Oktober rund 218.400 Menschen übers Mittelmeer nach Europa - fast so viele wie im gesamten Vorjahr.

Keine Entspannung in Niederbayern

Auch die Zahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge bleibt hoch. Am frühen Morgen warteten an den niederbayerischen Grenzübergängen auf österreichischer Seite bei Wegscheid 1389 Menschen auf ihre Einreise, bei Simbach waren es 400 und bei Neuhaus am Inn 763 Menschen. "Von einer entspannten Lage kann nicht die Rede sein", sagte Bernd Jäckel, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung.

Der am Montag eingeführte Bus-Shuttle von Schärding in Österreich nach Neuhaus am Inn im Landkreis Passau war zunächst nicht im Einsatz, weil der Bus einen Defekt hatte. Insgesamt hätten am Montag 5800 Flüchtlinge die Grenze zu Niederbayern überquert - viele von ihnen kurz vor Mitternacht, berichtete die Bundespolizei. An den beiden Tagen zuvor kamen jeweils etwa 4500 Menschen.

Seit Montagmorgen müssen die Flüchtlinge am Grenzübergang von Schärding nach Neuhaus nicht mehr auf der alten Innbrücke warten, ehe es zu Fuß zur Sammelstelle weitergeht. Stattdessen werden sie mit Bussen direkt zu den Zelten auf deutscher Seite gebracht. Dies soll verhindern, dass die Menschen stundenlang bei Kälte auf ihre Einreise warten müssen. In der Nacht gab es in Niederbayern Temperaturen unter null Grad.

Ein Rückgang der Zahlen ist allerdings nicht in Sicht: Auf der Balkanroute sind weiter Tausende Flüchtlinge in Richtung Österreich und Deutschland unterwegs. Von Montagabend bis Dienstagfrüh kamen nach Polizeiangaben mehr als 4300 Menschen mit Zügen aus Kroatien nach Slowenien. Seit vor zweieinhalb Wochen die ersten Flüchtlinge das Land erreichten, seien 135.000 Menschen gezählt worden, berichtete die Nachrichtenagentur STA in Ljubljana. Kroatien berichtete von mehr als 2000 weiteren Flüchtlingen, die das Land erreichten.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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