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Milliardeneinbußen im Binnentourismus Tourismusverband fordert längere Ferien

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Zeugnis abgreifen und ab in die Ferien: Mit den Forderungen des Deutschen Tourismusverbandes dürften sich viele Schüler solidarisieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine längere Dauer und bessere Aufteilung der Sommerferien könnte laut einer Studie des Deutschen Tourismusverbands zu tausenden neuen Jobs und immensen Einkommenssteigerungen im heimischen Gastgewerbe führen. Doch einzelne Bundesländer sperren sich gegen eine andere Koordinierung der Ferienzeiten - mit einer kuriosen Begründung.

Der Deutsche Tourismusverband will längere Schulferien im Sommer. Zudem müsse der Zeitkorridor von Ende Juni bis Mitte September, in dem die Bundesländer ihre jeweiligen Sommerferien organisieren, besser ausgenutzt werden, forderte der Verband bei der Vorstellung einer Studie in Berlin.

Auch sollte der Start in die Ferien in allen Bundesländern stets an einem Wochenende und nicht in der Wochenmitte erfolgen. Durch die derzeitige Ferienpraxis der Kultusminister sieht der Verband für die Branche Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe. Durch eine geschicktere Ferienplanung könnten bis zu 15,6 Milliarden Euro mehr Umsatz pro Jahr und bis zu 250.000 zusätzliche Arbeitsplätze im deutschen Tourismus entstehen, argumentiert der Verband unter Berufung auf die eigens erstellte Studie.

Jeder Tag, der nicht als möglicher Reisetag zur Verfügung stehe, führe bei deutschen Hotels, Pensionen, Wohnungsanbietern, Freizeiteinrichtungen, Museen und im Einzelhandel zu Umsatzeinbußen von bis zu 120 Millionen Euro. Die Tourismusbrache beklagt vor allem, dass der von den Kultusministern vorgesehene Ferienkorridor von insgesamt 90 Tagen im Sommer nur äußerst selten ausgeschöpft werde. Im nächsten Jahr schrumpfe er sogar auf 71 Tage. Die Kultusministerkonferenz spricht von einem Schnitt von 83 Tagen.

Südliche Bundesländer verteidigen eigene Regelung

Während die 16 Bundesländer die kleineren Ferien im Herbst, Winter und um Ostern herum selbst festlegen, werden die Sommerferientermine von der Kultusministerkonferenz langfristig festgelegt. Dies erfolgt seit Jahren nach einem sogenannten rollierenden System. Bestimmte Ländergruppen starten früh in die großen Ferien und rücken dann im Wechsel mit anderen Ländern in den Folgejahren im Kalender immer weiter nach hinten. Ausnahmen sind Baden-Württemberg und Bayern, die für sich stets späte Sommerferientermine beanspruchen.

Die Begründung für die Extrawurst beim Ferienbeginn in Süddeutschland mutet etwas kurios an: Die Schüler würden in den beiden landwirtschaftlich geprägten Bundesländern im Spätsommer bei der Ernte gebraucht. Darauf beharrt Ludwig Unger, Sprecher des bayerischen Kultusministeriums, auch im Zeitalter von Internet und iPhone. Tatsächlich dürften eine bessere Planbarkeit beim Unterricht sowie die Attraktivität des Augusts als Reisezeit eine mindestens genauso große Rolle spielen, wie der Erntetermin von Kartoffel und Rübe.

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hatte daher ein Ende der Sonderrolle für die beiden Länder im Süden gefordert. Durch die Beteiligung aller 16 Länder am rollierenden System wäre zudem jedes einzelne Land seltener von einem extrem frühen Ferienbeginn betroffen. Die Kultusminister stimmen derzeit den neuen langfristigen Sommer-Ferienkalender für 2018 bis 2024 ab. Er soll 2014 beschlossen werden.

Quelle: n-tv.de, bwe/dpa

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