Politik

Atom-Transporte trotz Verbots? Trittin: Atomfuhren waren nicht illegal

Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat Berichte dementiert, denen zufolge Deutschland geheim oder gegen geltendes Recht Atommaterial nach Frankreich transportiert habe. Je vier Transporte mit unbestrahlten Fertigungsresten aus dem hessischen Hanau habe es 1998 und 2000 gegeben, sagte Trittin.

Die Hanauer Atomtransporte fielen nach Angaben des Umweltministers nicht unter den 1998 verhängten Transport-Stopp. Es habe sich nicht um Atommüll gehandelt. Die Fuhren seien bereits 1996 Gegenstand eines öffentlichen Anhörungsverfahrens im Zusammenhang mit der Stilllegung der Brennelemente-Fabrik in Hanau gewesen. Berichte über Geheimtransporte nannte Trittin "absurd".

Bei den Anhörungen zu Hanau sei als einzige Möglichkeit der Entsorgung der nuklearen Fertigungsreste der Transport in die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frage gekommen, sagte Trittin. Deutsche Lagermöglichkeiten für das Hanauer Material, das auch das hochgiftige Plutionium enthielt, gebe es nicht. "Die Transporte waren also notwendig. Alles andere hätte den Rückbau behindert", so Trittin.

Nach Angaben des Umweltministeriums sind elf weitere Transporte aus Hanau bereits vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt worden. In Hanau lagern dem Ministerium zufolge noch bis zu 450 Kilogramm Mischoxid aus Uran und Plutonium. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte, das Atommaterial so lange in Hanau zu lassen, bis ein geeignetes Endlager gefunden sei.

Eine Greenpeace -Sprecherin bezeichnete die Transporte gegenüber der "Berliner Zeitung" als skandalös. Greenpeace sei davon ausgegangen, dass die Transporte 1998 gestoppt worden seien. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Müller sagte dem Blatt: "Davon habe ich nichts gewusst, das ist eine Unverschämtheit." Der CDU-Politiker Gunnar Uldall sprach von einem Skandal und warf dem Minister vor, er habe die Transporte "verschwiegen und verheimlicht".

Trittin verteidigt geplante Castor-Transporte

Bundesumweltminister Trittin verteidigte unterdessen in einer Aktuellen Stunde im Bundestag die gepanten Castor-Transporte.

Die Castor-Transporte aus der Wiederaufarbeiterungsanlage in La Hague nach Gorleben sollen Ende März oder Anfang April nach fast vierjähriger Pause wieder aufgenommen werden. Deutschland ist vertraglich zur Rücknahme seines Atommülls aus Frankreich verpflichtet.

Quelle: ntv.de