Politik

"Ermutigung zur Spionage" Trump: Russland soll Clintons E-Mails finden

89975b59a7e8b5d8f4aead6d1b49e63f.jpg

Donald Trump würde gern lesen, was in Hillary Clintons E-Mails steht.

(Foto: REUTERS)

Im US-Präsidentschaftswahlkampf sucht Donald Trump die Konfrontation: Öffentlich fordert der Republikaner den russischen Geheimdienst dazu auf, die gelöschten 30.000 E-Mails seiner Rivalin Hillary Clinton aufzuspüren. Die Demokraten reagieren empört.

Kaum hat Demokratin und Ex-First Lady Hillary Clinton mit ihrer Nominierung als erste weibliche Präsidentschaftskandidatin US-Geschichte geschrieben, läutet ihr Rivale Donald Trump mit einer scharfen Attacke den Wahlkampf ein. Bei einer Pressekonferenz in Florida richtete sich der Republikaner direkt an den russischen Geheimdienst: "Russland, ich hoffe, ihr findet die 30.000 fehlenden E-Mails", so Trump. "Ich denke, von unserer Presse würdet ihr dafür kräftig belohnt werden." Damit spielt der 70-Jährige auf die E-Mail-Affäre an, die Clinton als Außenministerin in Erklärungsnot gebracht hatte.

Während ihrer Amtszeit hatte sie dienstliche E-Mails mit teils streng vertraulichen Inhalten über private Server und Geräte abgewickelt, löschte aber mehr als 30.000 E-Mails, die ihren Angaben zufolge persönlichen Inhalts waren. Die Bundespolizei FBI übte nach Abschluss einer Untersuchung vernichtende Kritik am Verhalten Clintons, stellte aber auch fest, dass nicht von kriminellem Vorsatz ausgegangen werden könne. US-Justizministerin Loretta Lynch hatte deshalb auf eine Anklage-Erhebung in dem Fall verzichtet. Für Trump ist die E-Mail-Affäre allerdings weiterhin ein gern genutzter Angriffspunkt.

Auf Twitter wiederholte er später seinen Appell - weitete ihn aber auf die Geheimdienste anderer Staaten aus. "Falls Russland oder irgendein anderes Land Hillary Clintons 33.000 illegal gelöschte E-Mails hat, sollte es diese vielleicht mit dem FBI teilen", schrieb Trump. Clintons Wahlkampfteam reagierte prompt - und warf dem Immobilienmilliardär vor, er ermutige "ausländische Mächte" aktiv zur Spionage. "Das hat sich von einer Frage der Neugier, der Politik, zu einer Frage der nationalen Sicherheit entwickelt", sagte Clintons Wahlkampfleiter Jake Sullivan.

Geleakte Demokraten-Mails

Überraschend kommen die Äußerungen allerdings nicht - denn Trump ist keineswegs der erste, der eine Einmischung Russlands in den Präsidentschaftswahlkampf vermutet. Zuvor hatte auch US-Präsident Barack Obama in einem Interview mit dem Sender NBC nicht ausschließen wollen, dass Russland hinter einem Hackerangriff auf E-Mails vom Vorstand der US-Demokraten steckt. Sie hatten enthüllt, dass einflussreiche Parteifunktionäre während des Vorwahlkampfs klar Position für Clinton und gegen Bernie Sanders bezogen und sogar versucht hatten, den Senator in ein schlechtes Licht zu rücken.

Moskau, so die Vermutung, will damit Trump helfen, der in der vergangenen Woche als Präsidentschaftskandidat der Republikaner nominiert worden ist. Der 70-Jährige selbst sagte dazu, er habe "nichts mit Russland zu tun". Sollte Russland hinter dem Hackerangriff stecken, sei "das aus einem anderen Grunde schlecht, es zeigt den geringen Respekt, den sie für unser Land haben".

Quelle: ntv.de, jug/AFP