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Athen dementiert Pleite-Berichte Tsipras: "Es gibt kein Liquiditätsproblem"

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Alexis Tsipras steht zu seinem Finanzminister Yanis Varoufakis.

(Foto: dpa)

Griechenland ist klamm - klammer, als bisher angenommen. Das legen zumindest Berichte nahe. Der Athener Regierungschef wiegelt jedoch ab, es bestehe kein akuter Zahlungsengpass. Seinem umstrittenen Finanzminister stärkt er demonstrativ den Rücken.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat Berichte dementiert, wonach seinem Land noch in diesem Monat die Pleite droht. "Es gibt absolut kein Liquiditätsproblem", sagte Tsipras nach einem Treffen mit seinem Finanzminister Yanis Varoufakis. Auch dieser hatte zuvor dem Fernsehsender Alpha TV versichert: "Es gibt kein Problem, die Gelder für Löhne und Renten bereitzustellen."

Die beiden Politiker reagierten auf Berichte, dass Athen offenbar schon Ende des Monats die Pleite drohe. Diese Befürchtung habe Tsipras am Freitag gegenüber EU-Parlamentspräsident Martin Schulz geäußert, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Tsipras braucht dringend Geld. Dafür muss er die Eurogruppe und die Europäische Zentralbank von seinem Reformwillen überzeugen, und zwar schon nächste Woche", wurde Schulz von der "FAS" zitiert.

Der Zeitung zufolge muss Athen kommende Woche Kredite von fast einer Milliarde Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen sowie für 1,6 Milliarden Euro eine auslaufende Staatsanleihe ersetzen. Um flüssig zu bleiben, bis die Eurogruppe weitere Hilfe freimacht, will Tsipras neue Schulden bei der EZB aufnehmen. Dem Bericht zufolge fordert er von der Zentralbank, den Rahmen für kurzfristige Anleihen (T-Bills) um zwei bis drei Milliarden Euro zu erhöhen. Das lehnte die Bank mangels verbindlicher Sparzusagen aus Athen bislang ab.

Varoufakis bereut Hochglanzfotos

Schulz und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker drängen Tsipras, nun einen Brief an die Eurogruppe zu schreiben, in dem Athen sich zu Privatisierungen, zum Eintreiben von Steuern und zum Aufbau eines Katasterwesens bekennt. Tsipras habe dies in allgemeiner Form zugesagt, berichtete die "FAS".

Derweil gab es Gerüchte, Finanzminister Varoufakis sei entmachtet worden. Athen wies dies zurück. Tsipras zeigte sich am Sonntag demonstrativ mit seinem Minister. Varoufakis entschuldigte sich aber dafür, mitten in der Finanzkrise für ein französisches Magazin im Dolce-Vita-Stil posiert zu haben: "Gefällt mir diese Ästhetik? Nein. Und ich bereue es."

In einer Umfrage schrumpfte seine Popularität bei den Griechen gegenüber Februar von 75 auf 59 Prozent. Zuvor hatte Varoufakis erstmals eine Verschiebung von Syriza-Wahlversprechen angedeutet, um die Geldgeber gnädiger zu stimmen. Athen muss bis Ende April eine Reform- und Sparliste vorlegen, um grünes Licht für ausstehende Kredithilfen zu bekommen. Nächste Woche erwartet auch der Internationale Währungsfonds (IWF) fast eine Milliarde Euro zurück.

Quelle: n-tv.de, jog/AFP/dpa

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