Politik

Die "Säuberung" geht weiter Türkei verbietet Akademikern die Ausreise

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Regierungsanhänger demonstrieren in Istanbul gegen den bereits niedergeschlagenen Militärputsch.

(Foto: AP)

Tausende Menschen sind in Haft, Zehntausende Lehrer entlassen. Der neueste Schlag der türkischen Regierung gegen die angeblichen Drahtzieher des Militärputsches: Wissenschaftler, die im Ausland arbeiten, müssen sofort zurückkommen.

Die türkische Regierung hat die Universitäten des Landes angewiesen, Auslandsreisen ihrer Mitarbeiter bis auf weiteres auszusetzen. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

In einer Mitteilung an die Hochschulen in der Türkei habe die für höhere Bildung zuständige Behörde YOK außerdem verlangt, dass Wissenschaftler, die derzeit im Ausland sind, zurückgerufen werden. Ausnahmen soll es nur für Forscher geben, deren Arbeit als "absolut notwendig" erachtet werde.

Der Hintergrund der Anordnung ist unklar. Angesichts der harten Reaktion der türkischen Regierung auf den Putschversuch hat sich vor allem unter gut ausgebildeten jungen Menschen der Wunsch verbreitet, die Türkei zu verlassen.

Zudem forderte die Behörde, dass alle Mitarbeiter der Universitäten überprüft werden, die Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen haben. Gülen war früher ein Verbündeter des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, wird von diesem mittlerweile aber als Staatsfeind angesehen. Erdogan hat Gülen als Drahtzieher des vereitelten Putschversuchs bezeichnet. Die türkische Regierung stuft seine Bewegung als "terroristische Geheimorganisation" ein, die einen "Parallelstaat" in der Türkei aufgebaut habe. Die Ergebnisse der Überprüfungen müssen bis zum 5. August vorgelegt werden.

Tausende in Haft

Am Dienstag hatte die Bildungsbehörde Zehntausenden Lehrern vor allem an Privatschulen die Lehrberechtigung entzogen. Zudem waren die Universitäten aufgefordert worden, alle Dekane und Rektoren an den Universitäten zu entlassen. Laut Anadolu handelt es sich um 1176 Dekane an staatlichen Hochschulen und 401 Dekane an privaten Universitäten.

Außerdem untersagte die Regierung, dass getötete Unterstützer des Putsches eine religiöse Beisetzung bekommen. Imamen wurde verboten, für Soldaten zu beten, "die unsere Nation angegriffen haben".

Seit dem Wochenende wurden mehr als 7500 Menschen inhaftiert, darunter 6000 Soldaten. Tausende Polizisten und fast 3000 Richter und Staatsanwälte wurden suspendiert. Erdogan hatte nach der Niederschlagung des Umsturzversuchs ein hartes Vorgehen gegen die Putschisten sowie die "Säuberung" der Armee angekündigt.

Bei dem Putsch waren mindestens 240 Menschen ums Leben gekommen, darunter 145 Zivilisten. Fast 1500 wurden verwundet. Die Zahl der getöteten Putschisten ist Anadolu zufolge unklar. Sie soll über 20 liegen.

Quelle: n-tv.de, hvo, mit rts/AFP

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