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"Du weißt, dass ich ein unmoralisches Angebot von der CDU habe?", soll Twesten ihrem Ex-Parteikollegen Helge Limburg gesagt haben.
"Du weißt, dass ich ein unmoralisches Angebot von der CDU habe?", soll Twesten ihrem Ex-Parteikollegen Helge Limburg gesagt haben.(Foto: dpa)
Sonntag, 06. August 2017

"Habe unmoralisches Angebot": Twesten sprach im Juni über CDU-Offerte

Die ehemalige Grünen-Abgeordnete Twesten beteuert, sie habe von der CDU kein Angebot für den Wechsel erhalten. Ein ehemaliger Parteikollege berichtet nun jedoch von einer brisanten Bemerkung.

Die ehemalige niedersächsische Grünen-Abgeordnete Elke Twesten soll schon im Juni mit einem Parteikollegen über Avancen der CDU gesprochen haben. "Ich sprach mit ihr im Plenarsaal, weil sie die Abstimmung in ihrem Wahlkreis verloren hatte", sagte Helge Limburg, parlamentarischer Geschäftführer der Grünen. Twesten habe dann zu ihm gesagt: "Du weißt, dass ich ein unmoralisches Angebot von der CDU habe?" Eine Konkretisierung, worin das Angebot bestehe, habe es aber nicht gegeben, sagte Limburg. Er habe das Ganze als abwegig betrachtet und sei nicht darauf eingegangen.

Die Landtagsabgeordnete Twesten hatte am Freitag überraschend ihren Wechsel von den Grünen zur CDU angekündigt. Das rot-grüne Regierungsbündnis von Ministerpräsident Stephan Weil verlor dadurch seine Ein-Stimmen-Mehrheit.

Die niedersächsischen Grünen waren vom Wechsel der Abgeordneten Elke Twesten zur CDU überrascht worden. Umweltminister Stefan Wenzel sagte, man habe natürlich gewusst, dass Twesten vor drei Monaten ihren Wahlkreis nicht gewonnen habe. Dies sei eine schwierige Situation, mit der ein Abgeordneter in einer Demokratie aber rechnen müsse, so Wenzel weiter.

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"Im Nachhinein hatten sich auch sehr viele um sie bemüht, aber dass sie am Ende so einen Schritt vollzieht, das hat keiner erwartet", sagte Wenzel, der auch stellvertretender Ministerpräsident ist. Er selbst habe noch zwei Tage vorher mit Twesten telefoniert und über die Organisation einer Wahlkreisveranstaltung gesprochen.

"Politischer Störfaktor"?

Twesten warf den Grünen vor, ihre Kritik am Kurs der Partei nicht ernst genommen zu haben. Sie sei über längere Zeit mit ihren Anregungen auch bei der Fraktionsspitze auf taube Ohren gestoßen, teilte Twesten mit. Trotz ihres Gesprächsbedarfs seien ihre Fragen von grünen Ministerien nicht ausreichend beantwortet worden, kritisierte sie. Man habe ihr zunehmend das Gefühl gegeben, "ein politischer Störfaktor" zu sein. So habe sie etwa angemahnt, dass die Grünen bei Fragen der inneren Sicherheit ihre Haltung angesichts der veränderten Gefährdungslage überdenken müssten.

Auch beim Thema Wolf habe sie sich dafür eingesetzt, dass die Sorgen der Menschen in den betroffenen Regionen nicht überhört werden. "Wer als politische Partei die Ideologie über die tatsächlichen Erfordernisse stellt, entfernt sich von den Menschen und deren Realität", so Twestens Fazit. Es sei "niederträchtig, zutiefst beleidigend und menschlich unanständig", wenn ihr nun von Parteifreunden unterstellt werde, sie habe sich für ihren Wechsel zur CDU kaufen lassen.

Die 54-Jährige Twesten hatte ihren Wechsel damit begründet, dass die Grünen sie nicht für die Landtagswahl 2018 in ihrem Wahlkreis in Rotenburg (Wümme) nominiert haben. Sie erklärte, es gebe auch noch andere Parlamente für eine Bewerbung - etwa den Bundestag oder das Europaparlament. In diesem Satz sahen die Sozialdemokraten Anhaltspunkte für den Verdacht, die CDU habe ihr Lockangebote gemacht. Twesten hatte am Freitag mit ihrem Wechsel zur CDU eine Regierungskrise ausgelöst. Das rot-grüne Bündnis von Ministerpräsident Stephan Weil verlor damit seine Ein-Stimmen-Mehrheit, mit der es seit 2013 regiert hatte.

Alle niedersächsischen Parteien sprachen sich für schnelle Neuwahlen aus. Wahrscheinlich wird ein neuer Landtag am 24.9. zusammen mit dem Bundestag gewählt.

Quelle: n-tv.de