Politik

"Prinz der Dunkelheit" US-Falke Perle tritt zurück

Richard Perle, langjähriger "Strippenzieher" der US-Sicherheitspolitik, ist von seinem Posten als Vorsitzender des einflussreichen Politikausschusses im US-Verteidigungsministerium zurückgetreten. Als Grund nannte er Vorwürfe über eine unzulässige Verquickung seines politischen Einflusses mit wirtschaftlichen Interessen.

Die Vorwürfe seien zwar falsch, schrieb der 61-Jährige in seinem Rücktrittschreiben. Da er sie aber nicht "schnell und einfach" zurückweisen könne, trete er zurück, um auch nicht einen Augenblick eine Ablenkung von den Kriegsanstrengungen der USA zu veranlassen. In einem Interview sagte Perle, auf Wunsch von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bleibe er Mitglied des Politikausschusses.

Rumsfeld würdigte Perle als wichtigen Berater und dankte ihm dafür, dass er weiterhin dem Ausschuss angehören werde. Zu den Gründen für Perles Rücktritt äußerte Rumsfeld sich nicht.

Es geht um 720.000 Dollar

In der von Perle angedeuteten Kontroverse geht es um einen Vertrag, den er mit dem bankrotten Telekommunikationsunternehmen Global Crossing hat. Sollte die US-Regierung dem Verkauf des Unternehmens an zwei asiatische Firmen zustimmen, würde Perle 725.000 Dollar erhalten, sagten Anwälte, die mit dem Konkursverfahren vertraut sind. Besonders pikant: 600.000 der 725.000 Dollar sollen von der Regierung kommen, für die Perle arbeitet. Perle selbst hat jedes Fehlverhalten zurückgewiesen.

"Falke" mit viel Einfluss

Perle gehört zu den so genannten Neo-Konservativen, die in der Regierung von Präsident George W. Bush den Ton angeben - eine Gruppe, die bereits seit Jahren für einen Krieg gegen den Irak wirbt. Auf ihre Initiative geht auch die offizielle Änderung der US-Verteidigungsdoktrin zurück: Sie erlaubt nun Präventivkriege. Aus Sicht der "Falken" ist der Krieg gegen den Irak ein Präzedenzfall für die neue Verteidigungsdoktrin.

Der Journalist Andreas Zumach schreibt, man könne Perles "Einfluss auf die Politik der USA nicht hoch genug einschätzen". In den 80er Jahren war Perle stellvertretender Verteidigungsminister in der Regierung von Präsident Ronald Reagan. Er übernahm den Beraterposten für die jetzige Regierung kurz nach Rumsfelds Amtsantritt. In der Reagan-Regierung hatte Perle sich vehement gegen Abrüstungsabkommen mit der Sowjetunion ausgesprochen. Sein Ziel: Das "Reich des Bösen" durch scharfen Rüstungswettlauf zu Fall zu bringen. Das brachte ihm damals den Beinamen "Fürst der Dunkelheit" ein.

In der zeitweise scharfen Auseinandersetzung zwischen den USA, Deutschland und Frankreich im Irak-Konflikt hatte Perle im vergangenen Oktober den Rücktritt von Bundeskanzler Gerhard Schröder gefordert, um wieder eine Verbesserung im deutsch-amerikanischen Verhältnis herbeizuführen. Dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac warf er Anfang des Monats Verrat und Wortbruch vor. Die französische Irak-Politik sei offenbar in Chiracs "persönlicher Beziehung mit Saddam Hussein" begründet, den er als Freund bezeichnet habe, sagte er.

Quelle: ntv.de

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