Politik
Obama muss sich auch in der eigenen Partei gegen rassistische Vorbehalte durchsetzen.
Obama muss sich auch in der eigenen Partei gegen rassistische Vorbehalte durchsetzen.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 23. Mai 2012

Obama schwächelt im Süden: Feind im eigenen Lager

von Sebastian Schöbel

Die Vorwahlen der Demokraten sind eigentlich entschieden, Obama steht als Kandidat fest. Doch bei Vorwahlen in den Südstaaten fuhr er nun trotzdem blamable Ergebnisse ein. Ein deutlicher Hinweis auf seine Schwäche mit Konservativen in den eigenen Reihen - und auf schwelenden Rassismus.

Keith Judd ist nicht der einzige Knacki in den USA, aber bestimmt der mit dem kreativsten Ausbruchplan. Aus seiner Zelle im texanischen Texarkana will der 43-jährige Ex-Musiker und Ex-"Superheld" ins Weiße Haus umsiedeln. Und zwar auf legalem Wege: Er kandidiert für die Präsidentschaft der USA. Darüber könnte bestimmt auch Barack Obama lachen - wenn Judd in der demokratischen Vorwahl von West Virginia Anfang Mai nicht jede vierte Stimme gewonnen hätte.

Bekam 40 Prozent der Stimmen in West Virginia: Häftling Keith Judd.
Bekam 40 Prozent der Stimmen in West Virginia: Häftling Keith Judd.(Foto: Beaumont Enterprise/Keith R. Judd)

Trotzdem siegte natürlich Obama, und eigentlich könnte man Keith Judd als skurrilen Einzelfall abtun: Schließlich füllt er seine Berichte an die US-Wahlbehörde nicht mit Spendenzahlen aus (er hat keine), sondern mit essayistischen Ergüssen. Doch vergangenen Dienstag ist es dann wieder passiert: Bei den demokratischen Vorwahlen in Kentucky und Arkansas gewann Obama überraschend knapp.

Obama schwach im Süden

In Arkansas stahl ihm der Anwalt John Wolfe die Show. Er kam trotz fehlender Wahlkampforganisation auf 40 Prozent der Stimmen. Im größten Wahlbezirk des Staates trennten ihn von Obama gerade einmal 7 Prozentpunkte. In West Virginia hatte Obama keinen nennenswerten Gegner, dafür kreuzte jeder vierte Demokrat das Kästchen für "unentschlossen" an.

Trotzte Obama in Arkansas 40 Prozent der Stimmen ab: John Wolfe.
Trotzte Obama in Arkansas 40 Prozent der Stimmen ab: John Wolfe.(Foto: YouTube/John Wolfe)

Im Kampf um Delegierte für den großen Parteitag im Sommer spielen diese Ausrutscher freilich keine Rolle. Doch die Vorwahlen in West Virginia, Kentucky und Arkansas zeigen Obamas regionale Schwachstellen - auch in seiner eigenen Partei.

Heimlicher Rassismus

Es sind die Staaten des Südens, die Obama Schwierigkeiten bereiten. Hier sind selbst die Demokraten besonders konservativ. Wo rassistische Gesetze bis in die 60er Jahre hinein das Leben von Schwarzen terrorisierten, sind die Vorbehalten gegen den ersten afro-amerikanischen US-Präsidenten noch immer besonders ausgeprägt.

Vor der Präsidentschaftswahl 2008 gab sogar jeder dritte Demokrat in einer Umfrage der Standford Universität an, Vorurteile gegen Schwarze zu haben. Alle drei Staaten gingen später deutlich an Obamas republikanischen Rivalen John McCain - selbst Arkansas, die Heimat von Ex-Präsident Bill Clinton. 74 Prozent der Einwohner in Arkansas sind weiß; in Kentucky sind es 86 Prozent, in West Virginia 93 Prozent.

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Vor allem von den männlichen Weißen lehnen viele Obama ab, auch wenn sie das inzwischen nur noch hinter vorgehaltener Hand zugeben. Dafür hat Obama laut einer aktuellen Umfrage von Gallup die Nase deutlich vorn bei Latinos, Afro-Amerikanern und allen anderen ethnischen Minoritäten.

Politisch unbequeme Entscheidungen

Dabei sind weder John Wolfe in Arkansas noch Keith Judd im texanischen Gefängnis erklärte Rassisten. Doch eine Stimme für sie ist eine Stimme für den Protest. Denn auch politisch hat sich der Präsident nicht eben beliebt gemacht im Süden.

So könnte gerade hier seine Entscheidung, offen für die Schwulen-Ehe einzutreten und die Diskriminierung Homosexueller im Militär zu beenden, für Unmut sorgen. In West Virginia, das vor allem vom Bergbau in den Appalachen lebt, hat sich Obama mit strengeren Umweltauflagen ebenfalls nicht gerade beliebt gemacht.

Für die Wahl im Herbst haben die drei Vorwahlen allerdings nur geringe Bedeutung. Obama wird weder um Arkansas noch um West Virginia oder Kentucky kämpfen: Alle drei Staaten gelten schon jetzt als sichere Siege für den Republikaner Mitt Romney. Allerdings könnte der Unmut demokratischer Wähler durchaus in anderen Staaten wie Virginia oder North Carolina für Probleme sorgen. Hier sieht Obamas Team Chancen auf knappe Siege, die am Ende einer erwartet knappen Wahl den Unterschied ausmachen könnten.

Wolfe und Judd werden dann allerdings keine Rolle spielen. Zum Parteitag der Demokraten werden sie trotz respektabler Vorwahlergebnisse keine Delegierten schicken. Anwalt Wolfe hatte die nötigen Formulare zu spät eingereicht und für Häftling Judd fand sich niemand, der ihn außerhalb der Wahlkabine vertreten wollte.

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Quelle: n-tv.de