US-Wahl 2020

Trump schreit Murdoch an Was ist bloß mit Fox News los?

2017-01-28T120000Z_890775476_RC1A88B2D900_RTRMADP_3_USA-TRUMP.JPG

Trump hat Murdoch gestern angerufen.

(Foto: REUTERS)

Hofberichterstattung für Trump wurde Fox News lange vorgeworfen. Doch gestern verkündet der Sender überraschend Biden als Sieger in Arizona. Trump ruft daraufhin stinksauer Fox-Chef Murdoch an. Das Verhältnis der beiden ist schon länger abgekühlt.

Sonderbares schien sich gestern bei Fox News abzuspielen, eigentlich bekannt als der "Lieblingssender" des US-Präsidenten. Schon früh am Morgen deutscher Zeit hieß es dort: "Der ehemalige Astronaut Mark Kelly schlägt die republikanische Senatorin Martha McSally in Arizona, prognostiziert Fox News." Während die von Donald Trump oft kritisierten Medien - CNN etwa oder MSNBC - den Bundesstaat noch als unentschieden bezeichnen, ist für Fox News die Sache schon gestern früh klar.

Und auch aktuell sieht Fox News den Herausforderer Joe Biden mit deutlich mehr Vorsprung vor Trump. Bei CNN liegt der Kandidat der Demokraten mit 253 zu 213 Wahlleuten vorne. Bei Fox News hat Biden schon 264 Stimmen sicher, Trump liegt dort bei 214. Sollte Biden weiter aufholen, könnte es ausgerechnet der Trump-freundliche Sender sein, der als Erstes den Sieg des Demokraten verkündet. Das mag so gar nicht zu dem Bild passen, das sich über Fox News in den vergangenen Jahren verfestigt hat. Ist die Stimmung beim Sender gegenüber Trump also plötzlich gekippt - und das ausgerechnet bei der Wahlberichterstattung?

Diese Befürchtung hatte offenbar auch der Präsident selbst. Einem Bericht der Zeitschrift "Vanity Fair" zufolge griff Trump, kurz nachdem Fox News Arizona seinem Mitbewerber zugeschlagen hatte, zum Telefon und rief Rupert Murdoch an. Der australisch-amerikanische Medienunternehmer ist Gründer und Chef der Fox Corporation. Dem Bericht zufolge hat Trump den 89-Jährigen am Telefon angeschrien und gefordert, dass Fox News die Entscheidung zurücknimmt - vergeblich. Laut "Vanity Fair" weigerte sich Murdoch.

Doch nicht nur bei Trump und seinem Team sorgte das Vorgehen des Senders für wütende Reaktionen. Das Magazin berichtet, auch innerhalb der Fox-Redaktion habe es wegen der Arizona-Meldung Ärger gegeben. Man habe sich geradezu "verbogen", um dem Eindruck entgegenzuwirken, bei der Wahlberichterstattung auf der Seite Trumps zu stehen, wird ein Fox-Mitarbeiter zitiert. Nun machen mehrere Republikaner "Vanity Fair" zufolge dem Sender den Vorwurf, das Narrativ gesetzt zu haben, dass Biden gewinnt. "Fox News hat sich gestern bei der Berichterstattung falsch verhalten und Wählerstimmen unterdrückt", sagte der ehemalige Trump-Berater Sam Nunberg dem Magazin.

Die rechten Einheizer haben nicht das Sagen

Es gibt mehrere Erklärungen, warum Fox News bei den Zahlen vorprescht. Zum einen ist das ehemals exzellente Verhältnis zwischen dem Medienmogul und dem Präsidenten deutlich zerrüttet. Während Murdoch ganz offensichtlich lange bereit war, Trump eine Art Hofberichterstattung zu ermöglichen, ist die Stimmung allmählich gekippt. "Nach alldem, was passiert ist, sind die Menschen bereit für Sleepy Joe", soll Murdoch laut einem Bericht des "Daily Beast" Mitte Oktober einem Geschäftspartner gesagt haben. Als ihn sein Gegenüber fragte, wie er die Chancen Trumps auf eine zweite Amtszeit sehe, soll Murdoch geantwortet haben: "Kein Kommentar".

"Vanity Fair" berichtete schon Mitte Oktober, es habe eine "gewaltige Explosion" zwischen Trump und Murdoch gegeben. In einem Gespräch hat sich Trump demzufolge bei dem 89-Jährigen über "unzureichend unterstützende Berichterstattung" beklagt. Murdoch habe dabei Standards des Senders verteidigt. Daraufhin habe "Trump geschrien, dass die Berichterstattung unfair und die Umfragen gefälscht (fake) seien". Wenig später berichtete die "New York Times" unter Berufung auf das Umfeld des Fox-Chefs, Murdoch rechne mit einem "Erdrutsch-Sieg" Bidens und glaube, dass Trump durch den Umgang mit der Corona-Krise Unterstützung verloren hätte.

Ein weiterer Grund könnte in der Besetzung der Redaktion des Senders liegen. Bei der Wahlberichterstattung hat bei den US-Sendern nämlich das sogenannte Decision-Desk das Sagen. Und das ist bei Fox News nicht mit den einschlägigen Einheizern wie Tucker Carlson, Laura Ingraham oder Sean Hannity besetzt. In diesen "Entscheidungsressorts" sitzen neben Journalisten auch Statistiker, die anhand von Umfragen und anderen Parametern berechnen, welcher Kandidat in welchem Bundesstaat siegen wird.

Geleitet wird das Decision Desk bei Fox News von Arnon Mishkin, der in vielerlei Hinsicht nicht dem Bild anderer Fox-Journalisten entspricht. Mishkin, der nicht bei Fox angestellt ist, sondern als externer Berater arbeitet, ist Demokrat und sagte der "New York Times" vor einigen Wochen: "Bei dieser Wahl wird niemand den Finger auf die Waage legen, auf keiner der beiden Seiten."

Quelle: ntv.de