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Moskau: "Gefährliches Experiment" USA beliefern Ukraine mit Brennstäben

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Auch das größte Atomkraftwerk Europas in Saporoschje wird von dem US-Konzern beliefert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Ukraine lässt ihre Atomkraftwerke nicht weiter mit Brennstoff aus Russland beliefern, sondern kauft das spaltbare Material ab sofort in den USA ein. Russland, das die Reaktoren baute, ist nicht begeistert. Gleichzeitig schließen Moskau und Kiew ein Strom-Abkommen.

Trotz Warnungen aus Russland hat der ukrainische Atomkraftwerksbetreiber Energoatom einen Liefervertrag über Brennstoff mit dem US-Konzern Westinghouse abgeschlossen. Mit dem Material der US-Firma will die prowestliche Führung der Ex-Sowjetrepublik künftig ihre Atomkraftwerke bestücken. Das teilte Westinghouse mit, nachdem der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk diesen Schritt in Kiew angekündigt hatte.

Das russische Außenministerium warnte vor einem "gefährlichen Experiment". Bislang beliefert Russland ukrainische Kraftwerke mit Brennstoff. Speziell die Produkte von Westinghouse würden Risiken bei der Verwendung in sowjetischen Reaktoren vom Typ WWER-1000 bergen. "Die Folgen möglicher Unfälle und Zwischenfälle und die Verantwortung dafür tragen die ukrainische Führung und der amerikanische Brennstofflieferant", kommentierte das Ministerium in Moskau.

Russland hatte jüngst mehrfach ähnliche Warnungen ausgesprochen. Ende November war es zu einer Panne im größten AKW der Ukraine in Saporoschje gekommen. Dies hatte im Westen Erinnerungen an die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 ausgelöst. Ein am Sonntag erneut abgeschalteter Reaktorblock wurde dort am Montag wieder hochgefahren.

Russland liefert Strom in die Ukraine

Unterdessen hat das russische Energieministerium den Abschluss eines Abkommens über die Lieferung von Strom an die Ukraine bekannt gegeben. Der Vertrag zwischen der russischen Firma Inter-RAO und dem ukrainischen Unternehmen UkrInterEnergo sieht demnach auch Stromlieferungen an die Schwarzmeerhalbinsel Krim vor, die wegen ihrer Eingliederung in die Russische Föderation einer Stromblockade durch Kiew unterliegt.

Moskau hatte bereits am Samstag die Lieferung von Kohle und Strom an die Ukraine zu "Vorzugspreisen" angekündigt. Die Ukraine leidet vor allem wegen des Konflikts im Osten des Landes, der viele Bergwerke in der Kohleregion Donbass lahmgelegt hat, unter Kohleknappheit.

Seit dem Frühjahr liefern sich ukrainische Regierungstruppen und prorussische Rebellen im Osten des Landes heftige Gefechte. Dabei wurden seit April mehr als 4700 Menschen getötet. Eine mehrfach beschlossene Waffenruhe wird immer wieder verletzt. Der Westen wirft Russland vor, die Rebellen militärisch zu unterstützen. Der Kreml weist dies zurück.

Gipfel in Kasachstan?

Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es unterdessen, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier habe an den vergangenen beiden Tagen mit seinen russischen und ukrainischen Kollegen, Sergej Lawrow und Pawlo Klimkin, über Möglichkeiten zur weiteren Stabilisierung der schwierigen Lage in der Ost-Ukraine sowie die Umsetzung der Minsker Vereinbarung über eine Waffenruhe beraten. Ziel bleibe ein rasches Treffen der Kontaktgruppe aus Vertretern Russlands, der Ukraine, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie der prorussischen Rebellen.

Auch ein mögliches Treffen im Normandie-Format war demnach Thema der Gespräche. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte mitgeteilt, er wolle sich am 15. Januar in der kasachischen Hauptstadt Astana im Normandie-Format mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin, Frankreichs Präsidenten François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Damit bezog er sich auf ein Treffen der vier Politiker am 6. Juni in der Normandie anlässlich des Gedenkens an die Landung der Alliierten in Frankreich im Jahr 1944. Ein zweites Treffen im gleichen Format folgte im Oktober in Mailand.

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa/AFP

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