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Waffen für MH17-Abschuss geliefert USA geben Russland Mitverantwortung

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(Foto: AP)

Die Lage am Absturzort von Flug MH17 bleibt unübersichtlich. Washington und Kiew haben nach eigenen Angaben jedoch sichere Beweise, dass das Flugzeug von Separatisten abgeschossen wurde. Die Waffen soll Russland geliefert haben. Wirbel gibt es auch um die Black Box.

Die US-Regierung hat Russland deutlicher denn je Mitverantwortung am Absturz des Passagierflugzeugs mit 298 Insassen in der Ostukraine zugewiesen. Das gegen Malaysia-Airlines-Flug MH17 eingesetzte Abschusssystem könne nur "von Russland in die Hände der Separatisten gelangt" sein, sagte US-Außenminister John Kerry.

"Wir haben Bilder vom Raketenabschuss, wir wissen über die Flugbahn Bescheid", sagte Kerry dem Sender NBC. Ferner gebe es Aufnahmen von "prahlenden" Separatisten nach dem "Abschuss". Nach US-Angaben ist dieser vom ukrainischen Geheimdienst SBU veröffentlichte Audiomitschnitt authentisch.

Auch die Ukraine verfügt nach Angaben ihres Präsidenten Petro Poroschenko über Beweise für einen Abschuss des Passagierflugzeugs durch prorussische Separatisten. "Wir haben Satellitenbilder des Abschussortes sowie Fotos und Videos eines Raketenabwehrsystems, was von Waffentransporten aus Russland zeugt", sagte Poroschenko in Kiew.

"Unwiderlegbare" Indizien

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Bilder vom Freitag zeigen einen Helfer am Absturzort mit einer Box - handelt es sich um die gesuchte Black Box?

(Foto: REUTERS)

Er sprach von "unwiderlegbaren" Indizien. "Die Terroristen behindern die Ermittlungen und haben die Flugschreiber an sich genommen, aber das wird sie nicht retten", sagte der prowestliche Staatschef. Die Aufständischen weisen die Vorwürfe zurück. Sie geben der ukrainischen Armee die Schuld an dem Absturz.

Der ukrainische Inlandsgeheimdienst veröffentlichte derweil auf Youtube ein neues Video mit Tonmitschnitten. Diese sollen zeigen, dass Separatisten systematisch Beweise vom Absturzort von Flug MH17 verschwinden lassen. So soll eine der Stimme von einem Kommandanten der Separatisten stammen, der fordert, eine gefundene Box zu verstecken.

*Datenschutz

Nach eigenen Angaben fanden die Aufständischen am Absturzort "Flugzeugteile, die Black Boxes ähneln". Die gefundenen Teile könnten sie nicht selbst untersuchen, weil sie dafür keine Spezialisten hätten, sagte Rebellenführer Alexander Borodaj in Donezk. Ukrainischen Ermittlern brächten die Rebellen "kein Vertrauen" entgegen, das Material könne jedoch "internationalen" Ermittlern übergeben werden, hieß es.

In einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel warf Poroschenko den prorussischen Kräften zudem die Plünderung der Absturzstelle vor. "Der Diebstahl von Kreditkarten und anderer persönlicher Gegenstände - das, was die Terroristen mit den Körpern der Opfer machen - ist außerhalb des Rahmens der menschlichen Moral", sagte Poroschenko einer Mitteilung zufolge bei dem Gespräch.

Kein freier Zugang zum Absturzort

Unabhängige Untersuchungserkenntnisse zum Absturz gibt es bislang nicht. Trotz wiederholter Aufforderungen aus dem Ausland gewährten die Rebellen internationalen Experten keinen freien Zugang zum Absturzort und zu den Leichen der getöteten Flugzeuginsassen. Kerry nannte das Verhalten der prorussischen Rebellen am Absturzort "grotesk". Sie behinderten die Arbeit der Ermittler. "Betrunkene Separatisten" würden "ohne jede Zeremonie" Leichen aufeinanderstapeln und "Spuren verwischen".

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erklärte, die prorussischen Rebellen hätten sie darüber unterrichtet, dass 169 Leichen in einen Kühlzug gebracht worden seien. Die Markierungsstöcke an den Stellen, wo die Leichen gefunden worden waren, waren nach den Beobachtungen eines Reporters von AFP verschwunden. Der ukrainische Vize-Regierungschef Wolodimir Groisman sagte, Kiew könne in dem Absturzgebiet "die Sicherheit nicht garantieren".

Großbritannien, Frankreich und Deutschland verlangten gemeinsam einen freien Zugang zur Absturzstelle. Der britische Premier David Cameron, Frankreichs Präsident François Hollande und Kanzlerin Merkel warnten: Falls Russland die "erforderlichen Maßnahmen" nicht "sofort" treffe, werde der Rat der EU-Außenminister am Dienstag "Konsequenzen" ziehen.

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden bereits 219 Leichen und 28 "Fragmente" nahe der Ortschaft Grabowo gefunden. Insgesamt kamen bei dem Absturz 298 Menschen ums Leben. Die Fläche der Sucharbeiten wurde von 35 auf 50 Quadratkilometer erweitert. Rund 200 Helfer und etwa 800 Freiwillige waren im Einsatz.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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