Politik

Politiker-Dienstwagen im Umwelttest Umweltministerin fährt "Spritschleuder"

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Der Dienstwagen der Bundesumweltministerin Hendricks schnitt beim Dienstwagencheck der Deutschen Umwelthilfe schlecht ab.

(Foto: dpa)

Nicht erst seit dem Abgasskandal mahnen Politiker zur Nutzung klimafreundlicher Autos. Die Deutsche Umwelthilfe untersucht jedes Jahr, ob die Volksvertreter sich selbst daran halten. Nicht nur im Umweltministerium besteht demnach enormer Nachholbedarf.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Politiker vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus dem Abgasskandal aufgefordert, vorerst auf die Anschaffung von Dieselfahrzeugen zu verzichten. Dies gelte zumindest so lange, wie die Autohersteller die Einhaltung von Grenzwerten für Stickoxidemissionen im Straßenbetrieb nicht sicherstellen könnten, erklärte der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch bei der Vorstellung des jährlichen sogenannten Dienstwagenchecks der Umweltschutzorganisation.

Aus diesem Grund verzichtete die DUH in diesem Jahr erstmals auch darauf, symbolische "Grüne Karten" für die mit Blick auf den Ausstoß den Treibhausgases CO2 vorteilhaften Dieselmodelle zu vergeben. Mit diesen zeichnet die Organisation die umweltfreundlichen Modelle im Fuhrpark von Spitzenpolitikern sowie Bundes- und Landesbehörden aus, deren CO2-Ausstoß unter dem EU-Neuwagenflottengrenzwert von 130 Gramm CO2 je Kilometer liegt.

Insgesamt vergab die Umwelthilfe in diesem Jahr nur acht "Grüne Karten" an Hybridautos mit kombiniertem Benzin- und Elektroantrieb. Die einzige "Grüne Karte" auf Bundesebene erhielt Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesverkehrsministerium, der ein solches Fahrzeug mit einen CO2-Ausstoß von 112 Gramm je Kilometer fährt. Im vergangenen Jahr gab es 42 "Grüne Karten". Die meisten Spitzenpolitiker fahren jedoch Dieselautos.

Umweltministerin fährt nicht klimafreundlich

Von den Bundesministern war Bildungsministerin Johanna Wanka am klimaschonendsten unterwegs, dicht gefolgt von Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Wankas Fahrzeug hatte einen CO2-Ausstoß von 132 Gramm je Kilometer, Dobrindts Dienstwagen brachte es auf 137 Gramm je Kilometer. Zu den Schlusslichtern gehörte laut DUH unter anderem Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, deren Auto 159 Gramm pro Kilometer ausstieß. Hendricks teilt sich den letzten Platz im Dienstwagencheck mit Justizminister Heiko Maas und Familienministerin Manuela Schwesig.

Aus Fairnessgründen nicht in den Test mit einbezogen wurden dabei wie immer die aus Sicherheitsgründen besonders gepanzerten und daher auch sehr schweren Dienstwagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck und bestimmter Bundesminister. Fahrzeuge mit normalem "Sonderschutz" wurden allerdings mit bewertet.

Zum Vergleich: Ein Renault Twingo 1,2 16V beispielsweise stößt 130 Gramm CO2 pro Kilometer aus, der Twingo eco2 immerhin noch 119 Gramm. In der oberen Mittelklasse liegt der CO2-Ausstoß der gängigsten Pkw meist zwischen 140 und 160 Gramm, in der Luxusklasse zwischen 190 und 250 Gramm.  

Dennoch ist die 95-Gramm-Flotte schon heute möglich, nämlich durch den Einsatz von Hybrid-Fahrzeugen. Hier stößt ein Mercedes E300 BlueTEC HYBRID 109 Gramm und eine Toyota Yaris Hybrid 1.5 nur noch 75 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Auch ein Golf 1,6 TDI BlueMotion liegt mit 85 Gramm deutlich unter der Grenze.

Seehofer verhindert Transparenz

Das Ranking der Landesregierungschefs führte Bremens Bürgermeister Carsten Sieling mit einem CO2-Ausstoß von 102 Gramm je Kilometer an. Schlusslicht war der Dienstwagen von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit 268 Gramm. Dabei handelte es sich den Angaben der Umweltschützer zufolge aber um ein Sonderschutzfahrzeug.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer verweigerte demnach die Herausgabe der Verbrauchsdaten seines Dienstwagens. Die DUH klagt deshalb vor dem Verwaltungsgericht in München gegen die bayerische Staatskanzlei. Ihrer Auffassung nach handelt es sich um Informationen, die dem Umweltinformationsgesetz zufolge veröffentlicht werden müssten.

Tests des Kraftfahrtbundesamts in Folge des Skandals um manipulierte Abgastests bei VW-Dieselfahrzeugen hatten ergeben, dass auch zahlreiche Dieselmodelle anderer Hersteller im realen Straßenverkehr hohe Stickoxidemissionen aufweisen. Sie sind gesundheitsschädlich, wirken anders als CO2 allerdings nicht als Treibhausgase.

Quelle: n-tv.de, cri/AFP