Politik

Plagiatsvorwurf gegen Schavan Uni sucht undichte Stelle

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Schavan bestreitet die Täuschung.

(Foto: dpa)

Bleibt die Uni Düsseldorf bei der geplanten Prüfung zu Annette Schavans Doktortitel? Und wer gab das vertrauliche Gutachten heraus? Die Uni stellt Strafanzeige. Der Fall könnte sich zu einem Krimi entwickeln.

Die Universität Düsseldorf hat nach Bekanntwerden eines Gutachtens über die Doktorarbeit der unter Plagiatsverdacht stehenden Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) Strafanzeige gestellt. Die Hochschule begründete diesen Schritt mit dem "Verdacht auf Weitergabe von vertraulichen Informationen". Die Hochschulleitung arbeite bereits seit dem Wochenende an der Aufklärung des "im Raume stehenden Vorwurfs der Indiskretion", teilte die Universität weiter mit.

Die Philosophische Fakultät der Universität prüft seit Mai die Vorwürfe von Internet-Plagiatsjägern, nach denen Schavan in ihrer mehr als 360 Seiten umfassenden Arbeit zum Thema "Person und Gewissen" weite Passagen nicht korrekt zitiert haben soll. Am Wochenende war ein für den zuständigen Promotionsausschuss bestimmtes Gutachten bekannt geworden, in dem von einer "leitenden Täuschungsabsicht" der Ministerin die Rede ist.

Das Verfahren zur Prüfung der Doktorarbeit will die Universität aber weiterführen - Ausgang offen. An diesem Mittwoch tagt nach Angaben aus Universitätskreisen die zuständige Promotionskommission.

Die Gremien der Philosophischen Fakultät und die Unileitung bedauerten, dass womöglich Teile einer "Sachverhaltsermittlung" unter Bruch der Vertraulichkeit an die Öffentlichkeit gelangt seien. Verletzend wäre dies für Schavan und den begutachtenden Judaistik-Professor Stefan Rohrbacher. Die Promotionskommission werde sich mit dem Gutachten befassen. Schavan könne danach um eine Stellungnahme gebeten werden.

Prozedere ist klar

Aus dem Ministerium verlautete, Schavan wolle schriftlich Stellung nehmen. Auf weitere Beratungen der Kommission folgt dann eine Empfehlung für den Fakultätsrat, der abschließend entscheidet. Wann dies der Fall sein wird, sagte die Universität nicht.

Das NRW-Wissenschaftsministerium hat als Rechtsaufsichtsbehörde bisher keine Bedenken gegen das Vorgehen der Universität. "Die Universität ist Herrin des Verfahrens, und es gibt im Moment keinen Grund anzunehmen, dass sie das nicht im Griff hat", sagte eine Sprecherin.

In dem bekanntgewordenen internen Gutachten unterstellte Rohrbacher der Ministerin nach Medienberichten eine Täuschungsabsicht bei der Doktorarbeit aus dem Jahr 1980. Schavan, die unterdessen zu einer Dienstreise nach Israel flog, hat den Vorwurf strikt zurückgewiesen.

Zuspruch vom Doktorvater

Ihr damaliger Doktorvater Gerhard Wehle betonte, die Arbeit sei in sich stimmig. Er habe keine Zweifel an Schavans wissenschaftlicher Eigenleistung gehabt. Sonst hätte er der Fakultät die Arbeit nicht zur Annahme empfohlen. "Sie ist eine absolut integere Person", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der "Rheinischen Post" sagte der emeritierte Pädagogikprofessor: "Die Arbeit entsprach absolut dem wissenschaftlichen Standard."

Spitzenvertreter der Wissenschaft kritisierten ebenfalls das Gutachten und das Plagiatsverfahren. Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Es gab schwere Fehler in dem Verfahren - die Universität sollte nun eine zweite Person bitten, die Vorwürfe sachlich zu prüfen." Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner, zeigte sich irritiert wegen des Vertrauensbruchs. Jürgen Mlynek, Chef der Helmholtz-Gemeinschaft, äußerte sich verwundert, "dass die Arbeit offenbar nur von einem Hochschullehrer geprüft wurde".

Fraktion hält zu Schavan

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sicherte der Ministerin die Unterstützung der ganzen Fraktion zu. "Ich glaube, dass dieses Verfahren nicht in dieser Form zu Ende gebracht werden kann", sagte er. Mit neuen Gutachtern solle ein neues Prüfungsverfahren beginnen. Es sei von Befangenheit des Gutachters auszugehen, nachdem vertrauliche Informationen vorab öffentlich wurden. Er sei entsetzt, wie eine deutsche Universität mit der Sache umgehe.

"Das Verfahren an sich wird ordentlich und mit aller notwendigen Sorgfalt weitergeführt", betonte hingegen die Universität. Die Hochschulleitung arbeitet seit dem Wochenende an der Aufklärung des im Raum stehenden Vorwurfs der Indiskretion. 15 ständige und Vertretungsmitglieder der Promotionskommission hatten das Gutachten zur Vorbereitung erhalten - sie stehen nun unter Verdacht.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Sollten sich die Vorwürfe als zutreffend erweisen, frage ich mich, wie ausgerechnet die für Wissenschaft und Forschung zuständige Ministerin ihr Amt noch glaubwürdig ausüben will."

Quelle: ntv.de, dpa/AFP