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Intelligent zuwandern Union denkt über IQ-Tests nach

Einzelne Unionspolitiker wollen Zuwanderer künftig Intelligenztests unterziehen. Das Echo ist eindeutig, ein dummer Vorschlag.

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Einwandern darf nur, wer 100 Prozent schlau ist?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Unionspolitiker haben neue Kriterien für die Einwanderungspolitik gefordert und dabei auch Intelligenztests für Zuwanderer nicht ausgeschlossen. Der innenpolitische Sprecher der Berliner CDU, Peter Trapp, sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir müssen bei der Zuwanderung Kriterien festlegen, die unserm Staat wirklich nützen. Maßstab muss außer einer guten Berufsausbildung und fachlichen Qualifikation auch die Intelligenz sein. Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern." Diese Frage dürfe nicht länger tabuisiert werden.

Der Chef der CSU-Europagruppe, Markus Ferber, sprach sich für eine einheitliche europäische Neuregelung der Zuwanderungspolitik aus und verwies in diesem Zusammenhang auf das Beispiel Kanadas: "Kanada ist da viel weiter und verlangt von Zuwandererkindern einen höheren Intelligenzquotienten als bei einheimischen Kindern. Humane Gründe wie Familiennachzug können auf Dauer nicht das einzige Kriterium für Zuwanderung sein."

Widerstand gegen Idee

Vize-Regierungssprecher Christoph Stegmans bezeichnete den Vorstoß in Berlin als "abwegig". Die Forderung schüre massiv Vorurteile. "Und sie ist auch nicht von besonderer Intelligenz geprägt. Zuwanderern pauschal Dummheit zu unterstellen, ist eindeutig diskriminierend", sagte er.

Ähnlich äußerte sich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU). Statt zu spalten, sollte besser gemeinsam für ein gutes Miteinander geworben werden. "Eine Willkommenskultur, die unserem Land gut tut, sieht anders aus", kritisierte Böhmer.

Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit, der auch SPD-Vizechef ist, erteilte dem Vorstoß eine klare Absage. "Ein Menschenbild, das den Wert der Menschen für unsere Gesellschaft an fragwürdigen Intelligenztests misst, ist diskriminierend und menschenverachtend. Es wirft ein abschreckendes Licht auf Gedanken einzelner Politiker in Deutschland. Das ist das Gegenteil eines weltoffenen und toleranten Deutschlands." Die deutsche Sozialdemokratie stehe für eine Kultur der Anerkennung.

Der Linke-Politiker Ali Al Dailami bezeichnete die Forderung als "dumm". Damit hätten Unionspolitiker bewiesen, dass es um ihre Intelligenz und ihr Wissen über Migrationspolitik nicht gut bestellt sei. Der Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, wies die Forderung in "Handelsblatt online" ebenfalls scharf zurück.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Innen- und Rechtspolitik der FDP-Bundestagsfraktion, Hartfrid Wolff, erklärte, der Begriff Intelligenztest sei missverständlich. "Der Koalition geht es nicht um eine wie auch immer zu bestimmende, abstrakte Intelligenz von Zuwanderern, sondern um intelligente Kriterien, die Zuwanderung sowohl für Deutschland als auch die betroffenen Zuwanderer zu einem Erfolg machen können."

Zahlen zeigen andere Realität

Im Mai hatte das Statistische Bundesamt neue ZahlenDeutschland wird bunter vorgelegt. Demnach zogen 2009 unterm Strich 721.000 Menschen neu nach Deutschland. Das waren sechs Prozent oder 39 000 mehr als 2008. Anfang des Jahrtausends waren jährlich noch deutlich mehr als 800.000 Menschen nach Deutschland zugewandert. Die meisten Zugezogenen waren Ausländer (606 000). Ihre Zahl stieg um sechs Prozent. Hauptherkunftsländer waren Polen, Rumänien, die USA, die Türkei sowie Bulgarien.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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