Politik

"Sehr gefährlicher Einsatz" Union hält an Afghanistan fest

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Verteidigungsminister Guttenberg erfuhr bei einem Zwischenstopp im usbekischen Termes von dem tödlichen Angriff. Er flog sofort zurück.

(Foto: REUTERS)

Nach dem erneuten tödlichen Taliban-Angriff auf Bundeswehrsoldaten steht Kanzlerin Merkel weiter hinter dem Afghanistan-Einsatz. Auch Unionsfraktionsvize Schockenhoff rechtfertigt das Engagement: "Afghanistan ist weit weg, aber die Sache, um die es geht, ist sehr nahe, nämlich Deutschland und die Deutschen vor Terroranschlägen zu schützen", sagt er n-tv.de.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht auch nach dem Tod von vier weiteren deutschen Soldaten in Afghanistan keinen Anlass für einen Kurswechsel. Die CDU-Vorsitzende stellte sich demonstrativ hinter den Einsatz, für den es nach allen Umfragen in der Bevölkerung keine Mehrheit gibt. Mit fast einem Tag Verspätung wurde bekannt, dass die Männer im Alter von 24 bis 38 Jahren bei zwei verschiedenen Anschlägen starben.

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Ein Bundeswehrsoldat bei Kundus.

(Foto: dpa)

Drei der Soldaten wurden in der Nähe der nordafghanischen Stadt Baghlan durch die Explosion einer ferngezündeten Sprengfalle getötet - und nicht durch einen Raketenangriff, wie es zunächst geheißen hatte. Der vierte Soldat, ein Sanitätsoffizier, kam erst vier Stunden später durch eine Granate ums Leben, als er auf dem Weg zum Schauplatz des ersten Angriffs war. Für die Todesopfer soll es in Afghanistan und in Deutschland Trauerfeiern geben. Bei den Attacken waren fünf deutsche und auch afghanische Soldaten verletzt worden.

Merkel sagte kurz vor ihrer Abreise aus den USA: "Ich weiß, dass viele Menschen Zweifel haben, ob der Einsatz richtig ist. Doch ich will auch sagen, dass ich ganz bewusst hinter diesem Einsatz stehe, damit das Land stabilisiert wird und selbst für seine Verantwortung sorgen kann." Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) stellten sich hinter die bisherige Strategie.

Unionsfraktionsvize Andreas Schockenhoff hält es für nötig, immer wieder zu erklären, worum es bei dem Einsatz geht. "Afghanistan ist weit weg, aber die Sache, um die es geht, ist sehr nahe, nämlich Deutschland und die Deutschen vor Terroranschlägen zu schützen", sagte Schockenhoff n-tv.de. "Wir haben bei der Sauerlandgruppe gesehen, dass Terroristen von Afghanistan aus Terroranschläge planen. Das müssen wir unbedingt verhindern."

Schockenhoff betonte zugleich, die Gefahr für die Soldaten. Die Bundesregierung habe "immer gesagt, dass es ein sehr gefährlicher Einsatz ist". Es gehe "nicht um die semantische Frage, was ein Krieg ist - das Entscheidende ist, dass es ein sehr gefährlicher Kampfeinsatz ist und dass wir das nicht beschönigen". Wie eine repräsentative Infratest-dimap-Umfrage für die ARD ergab, wünschen sich jedoch 70 Prozent der Bürger einen möglichst schnellen Abzug der Bundeswehr vom Hindukusch.

Guttenberg begleitet Verletzte

Guttenberg begleitete die fünf Verletzten auf ihrem Weg nach Deutschland. Die Maschine flog wegen der Vulkanasche-Wolke über Europa aber zunächst nach Istanbul. Bei einem Zwischenstopp im usbekischen Termes sagte er, der Einsatz bleibe gefährlich. "Wir müssen die Realitäten in Afghanistan offen benennen." Drei der verletzten Soldaten seien ansprechbar. "Sie sind bereits wieder sehr stabil, und der eine oder andere sogar zu Scherzen aufgelegt. Es ist eine tolle Truppe." Die Verletzten sollen in Bundeswehr-Krankenhäuser in Ulm und Koblenz gebracht werden. Der Minister war am Donnerstag auf der Rückreise aus Afghanistan, als die neuen Todesfälle bekannt wurden.

Steinmeier gegen übereilten Abzug

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Steinmeier ruft zu besonnenem Handeln auf.

(Foto: dpa)

Die SPD sieht ebenfalls keinen Anlass für ein neues Afghanistan-Mandat. Ihr Verteidigungsexperte Rainer Arnold verlangte im Deutschlandfunk aber ein klärendes Wort von der Kanzlerin, ob es sich nach ihrer Einschätzung um Krieg handele. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wandte sich in der ARD gegen einen überstürzten Abzug: "Wir sind nicht kopflos hineingegangen, und wir dürfen jetzt nicht kopflos hinausgehen."

Linke für sofortigen Abzug

Die Bundestagsfraktion der Partei Die Linke forderte dagegen auf ihrer Klausur in Dortmund einen unverzüglichen Abzug: "Die Bundeswehr ist schon lange Konfliktpartei in diesem Krieg. Terrorismus lässt sich mit vielen Mitteln bekämpfen, aber niemals wirksam mit Krieg."

Nach Umfragen sind zwei Drittel der Bundesbürger dafür, dass die Bundeswehr Afghanistan schnellstmöglichst verlässt. Der Einsatz dauert bereits seit Herbst 2001. Seither starben in Afghanistan bereits 43 deutsche Soldaten.

Trauerfeier in Afghanistan und Deutschland

Für die vier Gefallenen vom Donnerstag soll am Sonntag im Feldlager Masar-i-Scharif eine Trauerfeier stattfinden, an der Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker teilnehmen wird. Nach der Heimkehr der Toten ist auch eine Trauerfeier in Deutschland geplant.

Alle vier Toten stammen aus Süddeutschland. Dabei handelt es sich um einen 33-jährigen Oberstabsarzt aus Ulm (Baden-Württemberg) sowie einen 38-jährigen Major aus Weiden und zwei 24 und 32 Jahre alte Soldaten aus Ingolstadt (Bayern). Der Zustand der verletzten Soldaten war am Freitagmorgen nach Angaben der Bundeswehr stabil.

Angaben zum Hergang korrigiert

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Ein Stahlhelm liegt auf dem Sarg eines getöteten Bundeswehr-Soldaten in der Stadtkirche in Bad Salzungen.

(Foto: dpa)

Das Verteidigungsministerium musste erste Angaben zum Ablauf korrigieren. Demnach starben drei der Männer gegen 14.30 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ) in der Nähe der Stadt Baghlan durch eine ferngezündete Sprengfalle. Ihr Fahrzeug - ein gepanzerter "Eagle IV" - war das letzte einer Kolonne, die aus afghanischen Soldaten und anderen Angehörigen der Internationalen Schutztruppe ISAF bestand. Andere Fahrzeuge hatten die Stelle ohne Zwischenfall passiert.

Der vierte deutsche Soldat kam gegen 18.30 Uhr Ortszeit in einigen Kilometern Entfernung ums Leben, als ein gepanzertes Sanitätsfahrzeug vom Typ "Yak" beschossen wurde. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam hatte schon gegen 15.00 Uhr deutscher Zeit (17.30 Uhr Ortszeit) den Tod von vier Soldaten bestätigt. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte dazu: "Die Meldung war der Unklarheit der Situation geschuldet."

Quelle: n-tv.de, hdr/dpa