Politik

"Vernünftigste und moralischste Waffe" Vater der Neutronenbombe tot

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Die Debatte um die Neutronenbomber erreichte in den 1970ern auch Deutschland.

Die Neutronenbombe lässt zwar Gebäude nahezu unversehrt, Menschen verschont sie jedoch nicht. Wohl nicht zuletzt deswegen kann man den glühenden Befürwortern ihres Einsatzes einen gewissen Zynismus nicht absprechen. Nun ist der Erfinder der Nuklearwaffe im Alter von 89 Jahren gestorben.

Der Erfinder der Neutronenbombe, Samuel Cohen, ist tot. Nach Angaben seines Sohnes starb der amerikanische Physiker am Sonntag in seinem Haus in Kalifornien. Der 89-Jährige litt an Magenkrebs. In einem Interview mit der "New York Times" im September hatte Cohen die umstrittene Neutronenbombe als die "vernünftigste und moralischste Waffe beschrieben, die je erfunden wurde". Cohen: "Es ist die einzige nukleare Waffe der Geschichte, mit der Kriegsführung Sinn macht. Wenn der Krieg vorbei ist, ist die Welt noch intakt."

Neutronenwaffen töten Menschen und andere Lebewesen, richten aber geringe Materialschäden an. Denn anders als herkömmliche Atomwaffen entwickeln sie wenig Hitze und eine geringe Druckwelle, sondern geben den größten Teil ihrer Energie in Form harter Neutronenstrahlung ab. Der radioaktive Niederschlag der 1958 von Cohen entwickelten Waffe ist gering: Etwa 24 Stunden nach der Explosion kann das betroffene Gebiet wieder gefahrlos betreten werden.

Ein Projekt spaltet die US-Politik

In der Zeit des Ost-West-Konflikts wurde der Einsatz der Neutronenwaffen für einen etwaigen Kriegsfall in Europa in Erwägung gezogen, um gegen die sowjetische Überlegenheit an Panzern anzukommen. Dann müsste nicht zu Atomwaffen gegriffen werden, die weite Teile Europas verwüsten und radioaktiv verseuchen würden, argumentierten Militärs. US-Präsident Jimmy Carter entschied jedoch 1978, die Neutronenwaffe nicht zu bauen. Das Pentagon arbeitete trotzdem weiter daran und 1981 ordnete US-Präsident Ronald Reagan dann ihre Anfertigung für die USA an. Später wurde das Arsenal aber vernichtet.

Erfinder Cohen wurde am 25. Januar 1921 in New York als Sohn jüdischer Einwanderer aus Österreich geboren. Er studierte Physik und arbeitete im Rahmen des Manhattan-Projekt am Bau der Atombombe Fat Man mit, die im August 1945 über der japanischen Stadt Nagasaki abgeworfen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte er bei der renommierten kalifornischen Denkfabrik Rand Corporation mit.

Quelle: n-tv.de, dpa

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