Politik

Wikileaks-Enthüllungen Vatikan verweigerte Aufklärung

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Wikileaks macht auch vor dem Vatikan nicht Halt.

(Foto: AP)

Die Wikileaks-Enthüllungen erreichen jetzt auch den Vatikan. Demnach verweigerte der Vatikan die Mitarbeit an einem Bericht zum Kindesmissbrauch. Die Kirche reagierte "sehr verägert" über eine Anfrage der Murphy-Kommission zur Aufklärung der Fälle in Irland. Medien veröffentlichen zudem vertrauliche Dokumente von US-Diplomaten, die den Kirchenstaat als "antiquierte Macht" beschreiben.

Der Vatikan hat laut Enthüllungen der Internetplattform Wikileaks eine Zusammenarbeit bei der Untersuchung von Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche in Irland verwehrt. Die Anforderung von Informationen über die Missbrauchsfälle durch die sogenannte Murphy-Kommission im vergangenen Jahr habe "viele im Vatikan verärgert", die in der Anfrage einen "Affront gegen die Souveränität des Vatikan" gesehen hätten, zitierte die britische Zeitung "The Guardian" aus einer von Wikileaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft in Rom. Der Vatikan störte sich demnach an der Form der Kontaktaufnahme.

"Während die Vatikan-Kontakte sofort tiefes Mitgefühl für die Opfer zum Ausruck brachten und betonten, dass die oberste Priorität das Verhindern einer Wiederholung sei, waren sie auch verärgert, wie die Situation politisch umgesetzt wurde", führte die US-Diplomatin Julieta Noyes dem Bericht zufolge in ihrer Depesche aus. Demnach hatte die Murphy-Kommission nicht die offiziellen diplomatischen Kanäle genutzt, sondern direkt an den Vatikan geschrieben, um Informationen über den Umgang mit Missbrauchsfällen zu erhalten.

Der Vatikan habe sich auch darüber geärgert, dass die irische Regierung nicht eingeschritten sei, um bei der Murphy-Kommission auf die Nutzung der üblichen Kommunikationswege zu dringen, zitierte der "Guardian" aus der von Wikileaks veröffentlichten Depesche. Außerdem habe der Eindruck bestanden, dass einige irische Oppositionspolitiker versuchten, aus der Angelegenheit Nutzen zu ziehen, indem sie die Regierung öffentlich aufforderten, vom Vatikan eine Antwort auf die Anfrage der Murphy-Kommission zu verlangen.

Ja-Sager, aber nützlich

Der Vatikan als ein konservatives und "veraltetes Machtgefüge" mit einem schlechten internen Kommunikationssystem - so beschreiben amerikanische Depeschen, die von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht wurden, den Kirchenstaat. Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone sei ein Ja-Sager und spreche "nur italienisch", Pressechef Padre Federico Lombardi hingegen besitze zwar als einziger einen Blackberry, habe aber dafür keinen direkten Draht zu Papst Benedikt XVI., zitierte der Mailänder Corriere della Sera aus den US-Depeschen. Dennoch schätzten die USA den Heiligen Stuhl aufgrund seiner weitreichenden Verbindungen in der Welt als "nützlichen Verbündeten".

Die Enthüllungen seien mit äußerster Vorsicht zu beurteilen, konterte der Vatikan. Ohne auf die Details näher eingehen zu wollen, sei dabei zu beachten, dass diese nur die Meinung der jeweiligen Verfasser widerspiegelten, hieß es in einer Pressemitteilung des Vatikans.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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