Politik

"Gezielt lanciert" Video mit deutscher Geisel

Der arabische Fernsehsender Al Dschasira hat ein Video mit dem in Afghanistan von den Taliban entführten Deutschen ausgestrahlt. Der Nachrichtensprecher von Al Dschasira sagte, die Geisel habe die deutsche Regierung aufgefordert, alles für ihre Freilassung zu unternehmen. Die Stimme der Geisel selbst war auf dem Video kaum zu hören. Der Entführte ist inmitten von maskierten Männern zu sehen, die Gewehre tragen.

Was der deutsche Bauingenieur sagt, war nach Berichten von n-tv Korrepondent Ulrich Sahm nicht zu verstehen. Dem Sender zufolge ruft der Entführte die Regierungen in Berlin und Washington auf, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen, sonst werde er getötet. Rudolf B., der vor knapp zwei Wochen entführt worden war, steht vor einem felsigen Hintergrund. Man sieht, wie er auf einen Felsbrocken zugeht und sich darauf setzt. Drei bewaffnete Afghanen stehen neben ihm und richten ihre Gewehre auf den Mann. Das steinige Tal lässt keine genaue Umgebung erkennen.

Das Auswärtige Amt reagierte zurückhaltend auf das Video. Sprecher Martin Jäger bezeichnete die Aufnahme als "ein gezielt lanciertes Dokument der Einschüchterung". Experten seien dabei, die Botschaft sorgfältig zu analysieren und auszuwerten. Der Krisenstab bemühe sich weiter intensiv um eine Freilassung des Mannes. Woher der Sender das Video bekommen hat, war unklar. Es gab auch keinen Hinweis darauf, von wann die Aufnahme stammt.

Rudolf B. war gemeinsam mit dem in Geiselhaft umgekommenen Rüdiger D. vor fast zwei Wochen verschleppt worden. Der Sender strahlte noch ein zweites Video aus, auf dem laut Al Dschasira vier mit dem Deutschen entführte Afghanen zu sehen sind. Diese hätten die afghanische Regierung gebeten, auf die Forderungen der Kidnapper einzugehen.

Nach Erkenntnissen der afghanischen Regierung ist Rudolf B. gesund. Der Gesundheitszustand des 62-Jährigen sei zufrieden stellend, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Kabul, Semarai Baschari. "Wir haben weiterhin Hoffnung, dass er freigelassen wird." Der Sprecher sagte angesichts der 21 südkoreanischen Geiseln: "Wir vergessen auch den Deutschen nicht." Eine eigene Regierungsdelegation arbeite an der Freilassung des Deutschen aus der Geiselhaft.

Zuvor hatte die Bundesregierung ihre harte Haltung gegenüber Entführern deutscher Staatsbürger noch einmal bekräftigt. "Es gilt unverändert, dass der deutsche Staat nicht erpressbar ist", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Zugleich gelte aber der Grundsatz, alles "Menschenmögliche und alles Verantwortbare" zu unternehmen, um das Leben der Entführungsopfer zu schützen. Neben dem Schutz der Opfer müsse auch der Schutz der nationalen Interessen berücksichtigt werden.

Quelle: n-tv.de

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