Politik

Sarkozys Erzfeind gräbt Stimmen ab Villepin gründet eigene Partei

Der konservative Konkurrent Sarkozys macht ernst und gründet eine eigene Partei, um möglicherweise 2012 gegen ihn bei den Präsidentschaftswahlen anzutreten. Villepin muss allerdings vorher noch ein Gerichtsverfahren überstehen, in dem es um möglichen Rufmord gegen Sarkozy geht.

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Villepin will sich gegen Sarkozy behaupten.

(Foto: REUTERS)

Frankreichs konservativer Staatschef Nicolas Sarkozy hat Konkurrenz im eigenen Lager bekommen: Sein langjähriger Rivale, Ex-Premier Dominique de Villepin, gründete im Beisein von 3000 Anhängern eine eigene Partei. Er ließ zunächst offen, ob er bei der Präsidentschaftswahl 2012 gegen Amtsinhaber Sarkozy antreten wird - für seine Unterstützer besteht daran aber kein Zweifel.

Er wolle "eine Alternative" zur Politik der aktuellen Regierung schaffen, sagte Villepin, der sich als "moderner Gaullist" sieht und seine Partei République solidaire (Solidarische Republik) taufte. Detailreich kritisierte er Sarkozys Politik, darunter das hohe Haushaltsdefizit, das Frankreich "der Gnade seiner Gläubiger" ausliefere; die Rückkehr in die NATO-Kommandostrukturen, die die Unabhängigkeit des Landes in Frage stelle; eine Einwanderungspolitik, die "Angst vor dem Islam" schüre; Stellenstreichungen "mit dem Hobel" bei Beamten, die ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen könnten.

Minutenlang bahnte sich der 56-jährige Villepin zum Auftakt händeschüttelnd den Weg durch seine Anhänger, die "Villepin Präsident!" riefen. "Natürlich zielt dieser Schritt auf die Präsidentschaftswahl", sagte der Villepin-nahe UMP-Abgeordnete François Goulard dem Sender France Info. Es sei aber noch zu früh, die Kandidatur offiziell anzukündigen.

Villepin bleibt in UMP

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Ob da beten hilft? Sarkozy könnten wichtige Stimmen verloren gehen.

(Foto: REUTERS)

Villepin hatte die Gründung der Partei nach der Niederlage von Sarkozys UMP bei der Regionalwahl im März angekündigt. Bisher hatte er seine Anhänger in seinem Club Villepin gesammelt, der nach eigenen Angaben 15.000 Mitglieder zählt. Der Ex-Premier will aber vorerst keine klare Trennung von der UMP vollziehen - sie versteht sich traditionell als Sammlungsbewegung und umfasst schon jetzt mehrere Kleinparteien. Auch Villepin selbst will vorerst gleichzeitig UMP-Mitglied bleiben.

Sarkozy hat laut Presseberichten in den vergangenen Tagen mehrere Villepin-nahe Abgeordnete in den Elyséepalast zitiert, um sie davon abzubringen, der Partei des Rivalen beizutreten. Denn auch wenn Villepin in Umfragen bisher nur auf fünf bis sieben Prozent kommt, droht Sarkozy vor der nächsten Präsidentschaftswahl nun eine Zerreißprobe im eigenen Lager. Unklar ist allerdings, wie Villepin den Wahlkampf finanzieren will. Die beiden großen Parteien mit mehreren hunderttausend Mitgliedern gaben 2007 jeweils rund 20 Millionen Euro aus.

Villepin war von 2005 bis 2007 Regierungschef unter dem damaligen Staatschef Jacques Chirac gewesen und hatte mit Sarkozy erbittert um dessen Nachfolge gekämpft. Ihre Rivalität trugen die beiden Männer jüngst auch vor Gericht aus: Villepin musste sich verantworten, weil er Sarkozy mit einer Rufmordaffäre in Verruf gebracht haben soll. Die Richter sprachen den früheren Premierminister zwar im Januar frei, die Staatsanwaltschaft ging aber in Berufung. Villepin muss deshalb im Frühjahr 2011 erneut auf die Anklagebank - nur ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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