Politik

Schwere Unruhen in Haiti Vorwürfe gegen UN-Soldaten

Sechs Tage nach den Wahlen in Haiti ist es in der Hauptstadt Port-au-Prince zu schweren Auseinandersetzungen zwischen wütenden Demonstranten und UN-Friedenssoldaten gekommen. Augenzeugen zufolge schossen die Soldaten nördlich der Hauptstadt in eine Menge, mindestens zwei Menschen starben. Die Vereinten Nationen (UN) erklärten jedoch, die Soldaten hätten lediglich in die Luft geschossen. Niemand sei verletzt worden.

Die Demonstranten forderten die Bekanntgabe der endgültigen Wahlergebnisse und damit eine Bestätigung des Sieges des Favoriten Rene Preval. Sie warfen den Behörden Betrug vor. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen kommt der frühere Amtsinhaber Preval auf 48,7 Prozent. Um eine Stichwahl im März zu vermeiden, müsste er mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinen.

Nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse in der vergangenen Woche hatten Prevals Anhänger ihn schon als Sieger gefeiert. Sie errichteten nun Straßenbarrikaden aus Reifen und zündeten diese an. Dicker schwarzer Rauch stieg von mehreren Stadtteilen auf. Hunderte Demonstranten stürmten das Gelände eines Luxushotels und riefen "Preval ist Präsident!" Den UN-Soldaten drohten sie, das Hotel anzuzünden, falls es zu Schießereien kommen sollte. Interim-Ministerpräsident Gerard Latortue versuchte, die Menschen zu beruhigen. "Keine Stimme wird gestohlen", sagte er im Fernsehen. "Wir bitten jeden, nach Hause zu gehen, sich ruhig zu verhalten, und die Ergebnisse werden veröffentlicht."

Es war die erste Präsidentenwahl in dem Karibik-Staat seit dem Sturz von Präsident Jean-Bertrand Aristide vor zwei Jahren. Wahlberechtigt waren 3,5 Millionen Haitianer. Der 63 Jahre alte Preval war zwischen 1996 und 2001 Präsident des ärmsten Staates in Amerika. Mit der Wahl soll das Land nach Jahren der Anarchie und ausufernder Kriminalität wieder stabilisiert und auf einen demokratischen Kurs gebracht werden.

Quelle: ntv.de

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